Mode-Start-ups  sind bei Gründern beliebt. Doch braucht es diese Vielzahl an Online-Shops wirklich oder laufen sich die Anbieter so nur gegenseitig den Rang ab?

Sie heißen 7Trends, SugarShapeund Vite en Vogue, sie sind junge Online-Unternehmen aus dem Modebereich und sie wollen auf dem dicht besiedelten Markt der Fashion-Start-ups bestehen. Aber braucht es neben Branchenriesen wie Zalando, mytheresa und Asos überhaupt noch mehr Anbieter?

Die Zahlen lassen es vermuten, denn Mode und Accessoires gehören zu den beliebtesten Produktgruppen der Online-Shopper, wie das Institut für Handelsforschung Köln in seinem Branchenreport Online-Handel 2013 herausgefunden hat. So wurden im Jahr 2012 über ein Viertel aller Online-Umsätze mit Mode, Schuhen und Accessoires gemacht. Der Anteil des Online-Geschäfts am gesamten Mode-Einzelhandel stieg auf 16,8 Prozent und Experten prognostizieren ein weiteres Wachstum im E-Commerce.

Kein Wunder, dass der Modebereich bei Gründern beliebt ist. Doch die neuen Online-Angebote gehen weit über das Altbekannte hinaus. Nur Shoppen reicht den meisten Kunden – und damit auch den meisten Gründern – nicht: Sie wollen mehr.

Stilberater als Shoppinghilfe

Ein Beispiel, wie das konkret aussehen kann, ist das Start-up Outfittery. Das Internetportal für Männer ist keine einfache Einkaufsplattform, sondern liefert die Shoppingberatung gleich mit. Der Kunde wählt online seine Stilrichtung aus und gibt an, welche Hosen, Hemden und Schuhe in seinem Kleiderschrank fehlen. Sind alle diese Informationen gesammelt, ruft ein Stilberater den Kunden an und bespricht mit ihm persönlich die Details seiner Angaben. Ein paar Tage später bekommt der Kunde ein Paket mit den für ihn ausgewählten Kleidungsstücken und Accessoires nach Hause geschickt.

Curated Shopping nennt sich diese Geschäftsidee und scheint bei den Kunden anzukommen. Die Gründerinnen des Start-ups jedenfalls sind dabei ihr Unternehmen auszubauen – und die Investoren ziehen mit: Highland Partners steckte vergangenes Jahr, zusammen mit den Altinvestoren Holtzbrinck Ventures, Magrove Capital Partners, dem High-Tech Gründerfonds, RI Digital Ventures und dem von der IBB Beteiligungsgesellschaft gemanagten VC Fonds Kreativwirtschaft Berlin, 13 Millionen Euro in das Start-up.

Klingt nach einer Erfolgsgeschichte, doch eine Frage muss man sich in Anbetracht der Vielzahl an Neugründungen stellen: Laufen sich die Online-Shops für Mode nicht gegenseitig den Rang ab?

Ronald Kriedel, Geschäftsführer der Entrepreneurship School an der Technischen Universität Dortmund, sieht das nicht so: „Das ist das klassische Henne-Ei-Problem: Nehmen sich die Shops Kunden weg oder befruchten sie sich eher gegenseitig? Ich bin der Meinung, dass die Neugründungen generell Aufmerksamkeit beim Kunden generieren und dass das den Unternehmen gut tut.“

Die passende Nische macht den Erfolg

Allerdings: Natürlich können nicht alle wirtschaftlich erfolgreich sein. Wer nur kopiert und den zwanzigsten Zalando-Klon gründet, darf nicht mit einem allzu großen Erfolg rechnen. „Gegen solche großen Händler, die so eine große Kapitaldecke im Hintergrund haben, hat man als Startup mit gleichem Geschäftsmodell keine Chance.“

Wer jedoch die passende Nische findet, kann es schaffen. Das beweist der Online-Shop Rebelle. Das Hamburger Unternehmen hat sich auf sogenannte „Preloved Fashion“ spezialisiert – Designer-Mode, die bereits getragen wurde und nun – gut erhalten – wieder in den Verkauf geht. Die Investoren glauben an das Konzept – nur ein  knappes Jahr nach der Gründung beteiligten sie sich in einer zweiten Finanzierungsrunde mit einem mittleren siebenstelligen Betrag an dem Start-up

„Ja, es gibt im Internet schon alles zu kaufen“, sagt Alexander Eulenburg vom Company Builder Hanse Ventures, der als Mitgründer an Rebelle beteiligt ist, „man darf als Start-up nur eben nicht den Fehler machen zu versuchen, sich zwischen Zalando und Amazon zu platzieren. Aber es finden sich immer noch viele hochinteressante Nischen, wenn maßgeschneiderte Geschäftsmodelle fehlen.“