Das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin vertreibt Solaranlagen in Afrika. Bei Käufer Engie soll Mobisol nun die Geschäfte einer Tochter ergänzen.

Solartechnik für afrikanische Haushalte ohne Zugang zum Stromnetz, finanziert über Mikrokredite: Mit diesem Konzept hat sich Mobisol einen Namen gemacht – und galt als Shootingstar in der Greentech-Branche. Doch zuletzt ist dem in Berlin ansässigen Start-up das Geld ausgegangen. Mitte April gab das Unternehmen, das zuletzt noch im Oktober 2018 eine Kapitalspritze bekommen hatte, die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bekannt. Es gebe ein reges Interesse von potenziellen Investoren, hieß es damals.

Nun ist klar: Dem zur Hilfe geholten Sanierungsteam ist es zwar gelungen, einen neuen Kapitalgeber zu finden – Mobisol verliert aber seine Eigenständigkeit. Denn das Start-up wird von Engie übernommen. Das teilte der französische Energiekonzern, der bis Anfang 2015 unter dem Namen GDF Suez firmierte, heute mit. Regionale Kartellbehörden – darunter die in Tansania – müssen indes noch zustimmen. Mit einer Entscheidung wird im Herbst gerechnet. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Zufrieden zeigte sich der für Mobisol tätige Sanierungsexperte Stefan Weniger von der Beratung Restruktuierungspartner KG. „Für die Mobisol-Beschäftigten heißt die gute Nachricht: Alle werden übernommen, wir lassen niemanden unfreiwillig zurück“, sagte Weniger auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer. In Berlin seien derzeit noch über 60 Menschen beschäftigt, hinzu kämen über 500 feste und 300 freie Mitarbeiter in Afrika. Laut Weniger ist der Verkaufsprozess vergleichsweise schnell abgeschlossen worden. „Insbesondere für die Gläubiger sehr erfreulich war, dass es diesmal sogar überdurchschnittlich viele Interessenten waren.“

Idee lebt weiter

Engie plant, die Geschäfte von Mobisol weiterzuführen. Der Konzern betreibt mit dem vor anderthalb Jahren übernommenen Unternehmen Fenix International bereits ein Afrika-Geschäft. Zusammen mit Mobisol sei man nun in neun statt bisher sechs Ländern vertreten, heißt es bei Engie. Den Angaben zufolge haben die Berliner seit dem Marktstart 2013 mehr als 150.000 Solarsysteme verkauft – Fenix International habe 500.000 Kunden.

Das Marktpotenzial ist indes weiterhin groß: Laut dem französischen Versorger leben derzeit in Afrika noch immer mehr als 600 Millionen Menschen ohne Elektrizität. Das Problem lösen will auch das Berliner Start-up Solarworx – gegründet von einem ehemaligen Mobisol-Mitarbeiter. Dessen Gründer Thomas Gottschalk hatte Mobisol Anfang des Jahres ebenfalls verlassen – und mit A2EI (Acess to Energy Institute) einen Non-For-Profit-Organisation aufgebaut.