Klar ist: Die Branche ist noch klein – so klein, dass niemand gern über Zahlen spricht. Der Umsatz sei „nicht der Hauptfokus“, antwortet Moovel-Chef Henrich ausweichend auf die Frage nach Zahlen. Bekannt ist nur, dass 80 Beschäftigte für Moovel in Deutschland tätig sind. Wie viele Downloads es seit dem Start 2012 gab? Keine Antwort.

Wettbewerber Qixxit ging 2014 an den Start, seither gab es 300 000 Downloads der App. Ob die Bahn-Tochter mit ihren 12 Mitarbeitern profitabel sei? Qixxit sei „eine Investition in die Zukunft“, antwortet Chefin Friederike Aulhorn. „Der gesellschaftliche Trend entwickelt sich weg vom Eigentum und hin zum Sharing.“ Dienstleistungen wie Qixxit seien nötig, damit Menschen ihr Reiseverhalten flexibler gestalten können. Ein weiterer Konkurrent ist das Berliner Start-up Waymate, das die App Allryder anbietet.

Mal angenommen, Moovel startet durch – würde sich Daimler damit nicht letztlich ins eigene Knie schießen? Schließlich könnten bisherige Mercedes-Kunden dank Moovel auf den Geschmack kommen, dass Nahverkehr, Carsharing oder Mietwagen ihnen ausreichten – und sie dann eben keinen neuen Benz kaufen. Peter Fuß von Ernst & Young schüttelt den Kopf. Es sei logisch, dass Daimler auf Moovel setzt. „Dem Unternehmen ist klar: Nur noch Anbieter von Premiumautos zu sein, das reicht nicht mehr.“

Für die jüngere Generation sei das Auto nicht mehr so das Statussymbol, wie dies noch bei Älteren der Fall sei, sagt Autoexperte Fuß. „Also setzt Daimler auf eine Premium-Mobilitäts-App, um die Jüngeren als Kunden zu binden.“ Den Wandel im Verkehrsbereich wolle Daimler mitgehen und dadurch seine Zukunft sichern.

Lynn-Kristin Thorenz vom Beratungsunternehmen International Data Corporation (IDC) hält Investitionen in Mobilitäts-Apps von Firmen wie Daimler oder der Bahn ebenfalls für sinnvoll: „Abzuwarten und wenig oder gar nichts zu tun, […] wäre schädlich.“ Die digitale Transformation mache vor keinem Industriezweig halt – dass dennoch jede zweite deutsche Firma nichts oder wenig tue, um sich darauf einzustellen, hält Thorenz für völlig unverständlich.