Die Ausgründung von Audi Business Innovation ist auf Mobilitätsbudgets spezialisiert. Beteiligt ist auch die Firmenschmiede Mantro.

Firmenauto, nein danke: Im Werben um junge Fachkräfte in Ballungszentren zieht der Dienstwagen oft nicht mehr. Eine Alternative sind sogenannte Mobilitätsbudgets. Die Mitarbeiter bekommen dann einen monatlichen Betrag, den sie frei ausgeben können – etwa für Bahntickets, Carsharing-Dienste oder E-Scooter. Voranbringen will das Konzept auch eine Ausgründung des Autoherstellers Audi: Mobiko (kurz für „Mobilitätskontingent“) verspricht, die Abwicklung für Unternehmen und Mitarbeiter zu vereinfachen.

Gegründet im Februar 2018, hat das Start-up nun eine Finanzspritze in siebenstelliger Höhe bekommen. Geldgeber ist Audi Business Innovation. In der Innovationseinheit des Autobauers ist die Idee entwickelt worden – Mobiko sei die erste Ausgründung, sagte Michael Gick, kaufmännischer Geschäftsführer von Audi Business Innovation, im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer: „Weil das Thema nicht unmittelbar das Kerngeschäft von Audi betrifft, haben wir uns für eine eigenständige Gesellschaft entschieden.“

Finanzierung über Wandeldarlehen

Gründungspartner ist die Münchener Firmenschmiede Mantro, die etablierten Unternehmen beim Aufbau von Digitaleinheiten hilft und unter anderem an dem Geschäftsreiseportal Lanes & Planes sowie der Jagd-App Hunter & Co. beteiligt ist. Bei Mobiko ist Mantro derzeit alleinige Gesellschafterin. Audi Business Innovation hat sich laut Gick mit einem Wandeldarlehen beteiligt – kann also seine finanzielle Beteiligung später gegen Anteile an dem Start-up tauschen. Auch gegenüber externen Investoren sei man aufgeschlossen: „Dabei stehen für uns strategische Partnerschaften zur Erfüllung der Produktvision im Vordergrund.“

Als Gründer von Mobiko treten Andreas Reichert, der von Mantro kam, sowie die beiden ehemaligen Audi-Mitarbeiterinnen Franziska Mayr und Nicola Büsse auf. „Mit dem Wechsel zu Mobiko sind wir auch persönlich voll ins Risiko gegangen, weil wir von unserem Produkt überzeugt sind“, betonte Reichert. Man erhoffe sich einen „First-Mover“-Vorteil, ergänzte Mayr: „In der Form sind wir die Ersten am Markt.“

Tatsächlich versuchen derzeit eine Reihe von Unternehmen, Mobilitätsbudgets praxistauglich zu machen – darunter der Mietwagenriese Sixt und die Daimler-Tochter Athlon. Hervorstechen will Mobiko mit einer komplett digitalen Abrechnung: Mitarbeiter reichen Belege per App ein, ein Algorithmus sorgt dafür, dass die jeweiligen Ausgaben steuerlich richtig behandelt werden. Dazu gibt es eine Verknüpfung mit Lohnbuchhaltungs-Systemen.

Mit Ausgründungen auf neue Geschäftsfelder

Referenzkunden und konkrete Kundenzahlen nennt das Start-up nicht. Er sei aber überrascht, dass auch Anfragen von großen Konzernen komme, sagt Reichert. Ursprünglich habe man auf Unternehmen mit bis tausend Mitarbeitern gezielt. Das eigene, bisher zehnköpfige, Team will Mobiko nun aufstocken. Zurückgreifen könne man auch auf Ressourcen bei Mantro.

Audi ist indes nicht der einzige Konzern, der mit einer Ausgründung den Mobilitätsmarkt aufmischen will. So hatte VW mit Heycar 2017 eine Gebrauchtwagenplattform gegründet – an der sich vor einem Jahr auch der Konkurrent Daimler beteiligt hat. In einem ähnlichem Geschäftsfeld ist das Allianz-Spin-off Abracar unterwegs.