Milena Glimbovski hat gegründet und immer viel gearbeitet, dann kam der Burnout. Inzwischen hat sie viel über Work-Life-Balance gelernt.

Wenn man gründet, steigen Arbeitszeit und Verantwortung. So war es auch bei Milena Glimbovski. 2014 gründete sie den Supermarkt „Original unverpackt“, ein Laden, der keinen Müll produziert. Als Geschäftsführerin musste sie lernen, wie man mit Stress umgeht und wie Achtsamkeit dabei helfen kann. Jetzt hat sie das Buch „Ein guter Plan“ mitentwickelt, das anderen Menschen zeigen soll, wie man achtsam mit sich selbst umgeht und die eigene Lebensweise reflektieren kann.

Frau Glimbovski, was macht Sie an Ihrer Arbeit glücklich?
Die Freiheit, sie so einzuteilen wie ich mag. Ich kann einfach mal später kommen, oder gar nicht und habe niemanden über mir, vor dem ich mich rechtfertigen muss. Die absolute Freiheit hat man eben doch nur als Chefin. Aber dadurch trägt man eben auch die Verantwortung und die Konsequenzen.

Wie haben Sie das gelernt?
Es gibt kein Rezept dafür und ich habe auch nicht BWL studiert. Ich habe viele Bücher gelesen, aber verstehen, was Verantwortung ist, kann man nur, indem man es erlebt, und spürt, welche Konsequenzen es hat, wenn man nicht verantwortlich handelt. Verantwortung kannte ich vorher gar nicht.

Wann haben Sie das erste Mal daran gedacht, etwas zu gründen?
Ich habe eine Ausbildung gemacht und danach studiert. Während des Studiums war ich aber schon freiberuflich tätig mit dem Beruf, den ich während meiner Ausbildung gelernt habe, und dadurch kannte ich schon die Form der Selbstständigkeit. Gründung war dabei aber nie das Ziel. Sie kam eben durch meine Idee zustande – dadurch wurde ich Gründerin.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Tag aus?
Ich beginne den Morgen ganz entspannt, arbeite ein bisschen von zu Hause aus und gehe dann ins Büro zum Team. Entweder bleibe ich dort oder gehe noch zu einer Veranstaltung, höre mir Vorträge an und lerne neue Leute kennen.

Welche Erfahrung hat Sie als Gründerin am meisten erstaunt?
Dass ich über mich selbst hinaus gewachsen bin und das vorher nie gedacht hätte. Als Studentin wusste ich nicht, wohin meine Reise gehen wird. Ich habe über die Jahre hinweg ein Selbstbewusstsein entwickelt, das vorher gar nicht da war. Mich hat erstaunt, wie man sich innerlich durch eine Gründung so stark entwickeln kann.

An welchem Zeitpunkt haben Sie gemerkt, dass der Stress dann doch zu viel wurde?
Das war etwa vor einem Jahr. Ich kam aus dem Urlaub zurück und war nicht erholt, sondern völlig fertig. Ich saß im Büro und konnte gar nichts mehr machen. Im Kopf war ich klar, aber mein Körper hatte keine Kraft mehr. Da wurde mir klar, dass ich vielleicht ein paar Warnsignale meines Körpers ignoriert haben könnte.

Was war schwieriger: Die Erkenntnis, dass es so nicht weitergeht oder etwas zu verändern?
Durch den kompletten Burnout hatte ich gar keine Wahl mehr, ob ich etwas ändere oder nicht. Das war der Punkt, an dem ich auch wirklich etwas geändert habe. Ich habe angefangen zu meditieren und zu lernen, auf meinen Körper zu hören. Danach habe ich dann in kleinen Schritten versucht, andere Dinge zu verändern. Ich habe mir nur das vorgenommen, was ich wirklich schaffen kann, Hilfe angenommen und Aufgaben delegiert und nicht alles selber gemacht.

Wie kann man es schaffen, mehr auf sich selbst und weniger auf den gesellschaftlichen Druck zu hören?
Ich stelle mir immer die Frage: Mache ich das für mich, oder für andere? Denn ich weiß, dass ich nicht glücklich werde, wenn ich es für jemand anderen mache. Wenn ich mein eigenes Ziel genau vor Augen habe, kann ich dem gesellschaftlichen Druck leichter entziehen.

Was genau bedeutet Achtsamkeit heute für Sie?  
Achtsamkeit ist, immer wieder innezuhalten und zu überlegen: Was mache ich eigentlich, wie mache ich das und warum? Und das Glücksgefühl, das dabei entsteht, zu genießen.

Haben Sie das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn Sie sich mal eine Auszeit nehmen?

Ja, das Gefühl kenne ich. Ich musste erst kürzlich eine Veranstaltung absagen, die mich beruflich meinen langfristigen Zielen näherbracht hätte. Es war also eigentlich sehr wichtig, aber ich brauchte an dem Tag einfach meine Ruhe und habe sie mir auch gegönnt. Meine eigene Gesundheit ist mir dann doch wichtiger.

Ihr Buch „Ein guter Plan“ wurde nach einer ziemlich erfolgreichen Crowd-Funding-Kampagne publiziert. Was findet man darin?
Es werden Techniken und Übungen für mehr Achtsamkeit und weniger Stress auf 250 Seiten vorstellt. Ein guter Plan ist ein Terminkalender, Lebensplaner und Sachbuch in einem. Der Terminkalender erfasst Verabredungen und To-Dos, der Lebensplaner hilft rauszufinden, was man wirklich will. Und die Sachtexte sollen für Themen wie Achtsamkeit, Glücksforschung und Stressvermeidung sensibilisieren.

Was ist Ihre Lieblings-Achtsamkeits-Technik aus „Ein guter Plan“?
Ich mag die Monatsreflexion sehr. Man trägt am Ende des Monats ein, was gut lief, und was man noch verbessern kann. Und wenn man später darauf schaut ist man erstaunt, was sich alles gut entwickelt, auch wenn man noch nicht am Ziel ist.