Das Start-up richtet sich an Unternehmen, die ihren Angestellten bei mentalen Herausforderungen helfen wollen. In den verschiedenen Facetten des Angebots tummeln sich bereits digitale Wettbewerber.

Das Problem tauchte direkt im Umfeld auf: „Im Freundeskreis hatten viele Karrierewege als Berater oder in Start-ups eingeschlagen, die mit viel Druck verbunden waren“, berichtet Jonas Keil. Eher verschämt wurde dagegen darüber gesprochen, wie groß die mentale Belastung war – und welche Auswirkungen sie auf die alltägliche Arbeit hatte. „In unserer Leistungsgesellschaft ist es immer noch ein Tabu, darüber zu sprechen“, sagt Keil. Die App, die er gemeinsam mit Ines Räth und Catalina Turlea vor gut einem Jahr gestartet hat, will das ändern: Mila Health soll Angestellten dabei helfen, sich um ihre mentale Gesundheit zu kümmern.

Das Spektrum innerhalb der Anwendung ist dabei groß: Von simplen Achtsamkeitsübungen bis hin zu Videocalls mit Psychologen oder Psychotherapeuten deckt das Programm viele Bereiche ab. Das soll Mila Health insbesondere interessant für Unternehmen machen. Denn an die richtet sich das Start-up in seiner Vermarktung. Dabei ordnet sich die junge Tech-Firma zwischen den Bereichen Betriebliches Gesundheitsmanagement und Employer Branding ein. Die Unternehmenskunden, darunter aktuell etwa größere Digitalunternehmen wie Wayfair, Heycar oder Penta, bieten ihren Angestellten mit Mila Health ein Zusatzangebot, mit dem sich auch bei der Suche nach neuen Fachkräften werben lässt.

Coronakrise rückt das Thema in den Vordergrund

Gerade in den vergangenen Monaten der Coronapandemie habe sich jedoch auch die Bedeutung des Themas mentale Gesundheit noch einmal in den Vordergrund geschoben, sagt Keil: „Die Unternehmen sehen, dass es wirklich auch eine Phase der besonderen Belastung für viele Mitarbeiter sein kann.“ Dabei, so das Versprechen des Start-ups, erfahren Vorgesetzte in keinem Fall, mit welchem Thema sich ihre Teammitglieder gerade in der App beschäftigen.

Die Idee: Firmen buchen das Angebot für ihre Angestellten – und die können dann den Teil des Programms nutzen, der ihnen gerade guttut. „Wir sind eine Lösung für das gesamte Unternehmen“, sagt Keil, „egal, wo ein Mitarbeiter gerade gesundheitlich steht.“ Dieses umfassende Angebot sorgt für viel Aufwand. Das etwa zehnköpfige Mila-Health-Team, zu dem auch festangestellte Psychologinnen gehören, entwickelt Meditationsübungen, muss parallel aber auch Vereinbarungen mit Psychologen treffen, die für Videositzungen bereitstehen.

Abheben von digitalen Marktbegleitern

Gleichzeitig will sich Mila Health mit dieser breiten Ausrichtung von anderen Start-ups abheben. Denn sowohl bei der Begleitung von Angestellten als auch bei Fragen der mentalen Gesundheit gibt es bereits einige digitale Wettbewerber. Plattformen wie Coachhub oder Sharpist wollen den Austausch zur beruflichen oder privaten Weiterentwicklung unterstützen. Ein Unternehmen wie Moodpath, das im vergangenen Jahr von einer Klinikgruppe übernommen wurde, will Menschen direkt dabei helfen, die mentale Gesundheit zu verbessern. Start-ups wie Headspace oder Bambu konnten bereits Millionen von Nutzern von ihren Meditations-Apps überzeugen.

An das kombinierte Konzept von Mila Health glauben Investoren trotz der vielen Marktbegleiter. Das Start-up konnte kürzlich eine frühe Finanzierungsrunde über eine knappe Million Euro abschließen. Angeführt wurde die Runde vom Berliner Frühphasen-Investor Atlantic Labs. Daneben beteiligten sich einige Köpfe aus der Gründerszene direkt: Etwa der Mitgründer von Tier Mobility, Julian Blessin, der Mitgründer von Vimcar, Andreas Schneider, und der Mitgründer von Makers, Friedrich A. Neuman.

Zudem stellte der Partner des Risikokapitalgebers Antler, Alan Poensgen, Geld zur Verfügung: „Ich glaube fest daran, dass sich Benefits im Bereich mentale Gesundheit in den nächsten Jahren ebenfalls zu einem Must-have entwickeln werden” sagt er, „Die Pandemie hat diese Entwicklung definitiv nochmal beschleunigt, da Unternehmen in Zeiten von Homeoffice ihre Mitarbeiterunterstützung neu denken müssen”.