Eine Investorengruppe um Carsten Maschmeyer steckt einen Millionenbetrag in den Anbieter von Datenauswertungen mit der Marke Thryve. Die Gründer erhoffen sich Hilfe im Vertrieb.

Krankheiten und deren Verläufe besser verstehen und die Fitness beobachten: Investoren sehen in der Auswertung von Gesundheitsdaten großes Potenzial und stecken einen Millionenbetrag in das Berliner Start-up mHealth Pioneers hinter der Marke Thryve, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr. Das Geld stammt unter anderem von Unternehmer und TV-Juror Carsten Maschmeyer, Digital-Health Investor Min-Sung Sean Kim und der Grönemeyer-Gruppe, die medizinische Institute an mehreren Standorten in Deutschland betreibt. Mit der neuen Finanzierung will die 2017 gegründete Firma ihr Team von derzeit zehn Mitarbeitern im Laufe des kommenden Jahres verdoppeln, kündigte Geschäftsführer Friedrich Lämmel im Gespräch an.

Das Start-up schaltet sich als Schnittstelle ein, um Unternehmenskunden und Wissenschaftlern den Zugriff auf persönliche Gesundheitsdaten aus Fitness-Armbändern, Blutdruck- und Blutzuckermessgeräten zu vereinfachen. „Wir machen die Daten aus Sensoren für die Gesundheitsversorgung einfach verfügbar und nutzbar – und erleichtern damit Forschern und Anbietern von Fitness- und Gesundheitsapps die Dateninterpretation“, sagte Gründer Lämmel zu WirtschaftsWoche Gründer. Konkret verwandelt der Dienst Thryve die einzelnen Messwerte nach Zustimmung des Nutzers in vergleichbare Pa­ra­me­ter wie etwa Schlafqualität oder Aktivitätslevel und stellt diese dann per Schnittstelle den App-Anbietern und anderen Kunden aus dem Gesundheitsbereich zur Verfügung. Monatlich 60 Millionen Datenpunkte verarbeitet die junge Firma nach eigenen Angaben.

Datenschutz per Token

Zu welchem Nutzer die sensiblen persönlichen Daten gehören, erfährt das Start-up dabei nicht. Es arbeitet lediglich mit Werten, die die Unternehmenskunden zuvor bereits pseudonymisiert haben. So lassen sich die ausgewerteten Informationen schließlich nur mit Hilfe eines sogenannten Tokens wieder einer Person zuordnen. Ein Großteil der Verantwortung aus dem Datenschutz liegt damit bei den Kunden und nicht beim Start-up.

Mit dem Angebot von Thryve experimentiert etwa die Berliner Charité, die Puls- und Atmungserkennung per Smartwatch in der Schlafmedizin untersucht. Ebenfalls auf Smartwatches setzt die auf Kardiologie spezialisierte Klinikkette CCN aus den Niederlanden, die zur Prävention von Vorhofflimmern forscht. Kunden im Ausland will das Start-up künftig verstärkt ansprechen: „Die Wachstumsfinanzierung hilft uns dabei, eine deutlichere Präsenz in europäischen Ländern aufzubauen, in denen das Thema digitale Gesundheit schon weiter fortgeschritten ist – wie etwa in Skandinavien“, sagte Lämmel. Einen zusätzlichen Standort neben Berlin zu eröffnen, sei derzeit aber nicht geplant.

Kapitalgeber unterstützen beim Marketing

Für mehr Reichweite sollen bekannte Investoren sorgen. „Durch unsere Investoren erhalten wir Zugang zu einem Netzwerk, das uns eine hohe Schlagkraft verschafft, was vor allem die Kundenakquise betrifft“, so Lämmel. Carsten Maschmeyer, der über seinen Frühphaseninvestmentfonds Seed + Speed Ventures einsteige, habe beispielsweise eine starke Position in der Vermarktung von Unternehmen. „Wir freuen uns darauf, als Gründer mit wissenschaftlichem und technischem Hintergrund von seiner Vertriebs- und Marketingkompetenz zu profitieren“, sagte Lämmel, der 2015 den Grundstein der Firma mit John Trimpop und Paul Burggraf im Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) legte.

Der Kontakt zu den neuen Geldgebern aus der aktuellen Finanzierungsrunde kam dem Gründer zufolge über den Bestandsinvestor, die Venture-Capital-Gesellschaft b10, zustande. Zu den Start-ups im b10-Portfolio zählt auch der Berliner Online-Catering-Service „Mein-Wunschcatering.de“, der im November vergangenen Jahres einen sechsstelligen Betrag erhielt.