Ich verbrachte viel Zeit im Büro, schrieb neue Unternehmenskonzepte, bereitete DDs vor und kalkulierte potenzielle Umsätze mit Summen durch, bei denen mir als Privatperson schwindelig wurde. Meine Bürozeiten wurden immer länger, die Couchabende mit meinem heutigen Ex-Freund kürzer und bald hörten diese ganz auf. Ich war anscheinend in die Start-up Falle getappt. In dieser Zeit fanden erste Gespräche mit Investoren statt und obwohl ich unheimlich stolz war, dass sich jemand für mein Unternehmen interessierte, bin ich einer persönlichen Einstellung bei allen Gesprächen immer treu geblieben: Ich werde niemals meinen Job als Flugbegleiterin ganz aufgeben.

In dich investiere ich nicht, wenn du weiter fliegst!

Die Antwort saß und zwar nicht nur ein Mal. Ich hatte meine erste Lektion zum Thema Investorenverhältnis gelernt: Der Gründer hat sich seinem Start-up mindestens 120 Prozent zu widmen, ansonsten wird nicht investiert. Unabhängig davon, ob schon der Beweis erbracht wurde, dass es auch anders funktionieren kann. Bei mir entwickelte sich langsam ein unwohles Gefühl in Bezug auf Investoren. Warum gab ich mich mit Menschen ab, die versuchten, mir das auszureden, was mich überhaupt zu Gründerin
gemacht hat? Die mich verändern wollen?

Gelegentlich gehe ich mit dem Chef meiner Schwester essen. Er ist Touristiker mit Leib und Seele, hat vor über 20 Jahren sehr erfolgreich seine eigene Firma aufgebaut und ist bestens bekannt in der Branche. Für mich ist er ein Unternehmervorbild. Nachdem ich ihm eines Abends von meiner Wachstumsstrategie erzählt hatte und nach seiner Meinung fragte, schaute er mich an und sagte: „Meike, ich habe damals niemanden in meine Firma gelassen. Ich hole mir doch nicht Probleme ins Haus. Das ist und bleibt mein Ding!“ Und da war er: der Schalter und er war umgelegt.

Manchmal muss es Klick machen

Warum will ich unbedingt Teile meines Erschaffenen verkaufen? Und das an Menschen, die mich als Gründerin nicht so akzeptieren, wie ich bin? Die sogar meine Gründerkompetenz wegen meiner Liebe zum Fliegen in Frage stellen? Warum will ich mir in mein Handwerk fuschen lassen? Und was spricht dagegen einfach organisch weiter zuwachsen? Je länger ich über den Abend nachdenke, umso mehr merke ich, wie sehr ich meinen ursprünglichen Antrieb als Gründerin aus den Augen verloren habe. Ich wollte doch eine Firma schaffen, die tolle Reisen anbietet und nebenbei ihren Mitarbeiten noch Freiheiten lässt. Nicht mehr und nicht weniger.

Stattdessen hatte ich mich in Ideen verrannt, die nicht zu meinem Unternehmenskonzept passten und ich konnte gar nicht mehr sehen, was ich schon alles erreicht hatte. Ich hatte das Vertrauen in mich als Gründerin und in den von mir selbst geschaffenen Beweis verloren, dass Joventour weiter organisch wachsen kann und auch wird.