„Exit“ ist das neue Zauberwort der Szene. Doch während ein möglicher Firmenverkauf schon vor der Gründung fokussiert wird, wissen die meisten Gründer nicht einmal, wie man die Sozialversicherung des ersten Mitarbeiters anmeldet.

„Herzblut“ in eine Gründung zu stecken, ist hingegen out – vergessen sind allerdings die ganz großen Gründer in Deutschland: Sixt, Aldi, Porsche, Rossmann, Henkel. Was hat diese Unternehmer so erfolgreich gemacht? Eine Riesenportion Herzblut muss schon dabei gewesen sein, ansonsten hätte niemand von ihnen die Geschäftsidee mit dem eigenen Nachnamen firmiert.

Was bleibt, ist das Brennen für das eigene Erschaffene

Ich habe vor kurzem zwei sehr erfolgreiche Gründer kennengelernt. Nicht in der Start-up-Szene, sondern dort wo man sie nicht vermutet: beim Tinder-Herzchen drücken und im Flugzeug – und zwar in der Holzklasse, in der die fehlende Beinfreiheit uns ins Gespräch brachte. Beide haben sieben- bis achtstellige Exits erreicht, ihre Firmen sind deutschlandweit bekannt und beide hatten
eine extrem schwierige Startphase. Obwohl sich beide mit Anfang 40 jetzt auf ihren Lorbeeren ausruhen könnten, haben sie nicht komplett alle Geschäftsanteile verkauft und sich ganz bewusst für ihr weiteres Engagement in der Firma entschieden, denn was bleibt, ist das Brennen für das eigene Erschaffene.

Schlussendlich kreieren doch alle Gründer, vom kleinen Cafebesitzer bis zum weltweiten Online-Shop, Werke in unserer Gesellschaft. Wir alle decken Bedürfnisse ab und leisten Beiträge zu der Volkswirtschaft, in der wir leben. Wieso öffnet sich die Szene nur einer bestimmten Gruppe und zwar der, die „Skalierbarkeit“ auf dem Deckblatt ihres Businessplanes stehen hat?

Ich muss mich wohl damit abfinden, dass ich als überzeugte Nebenerwerbsgründerin genauso wenig zur die Start-up-Szene dazu gehöre wie der kleine neue Kleiderladen um die Ecke. In die Gründerszene muss man wohl passen – das ist wie früher mit den angesagten Schulcliquen, bei denen schon das kleinste Defizit zum Ausschluss führte. Ob der Schein trügt und das Sein gewinnt, zeigen allerdings oftmals erst die Klassentreffen in einigen Jahren.