Nach den Änderungen soll die eigenhändige Unterschrift nun durch eine rein elektronische Bestätigung des Warnhinweises ersetzt werden – ergänzt durch ein gesetzlich fixiertes 14-tägiges Widerrufsrecht. Damit ist die neue Regelung sogar einfacher als die Vorschläge aus der Crowdfunding-Szene, die etwa über Bestätigungen per Mail oder 24-stündige Bedenkzeit als Alternativen diskutierte.

„Dass das Werbeverbot in den sozialen Medien und das händische Unterschreiben wegfällt, nimmt zwei unnötige Hürden, die es der deutschen Crowdfunding-Branche unnötig schwer gemacht hätten“, sagt Harms. „Die Änderungen sind das richtige Signal der Politik, dass die Branche ernstgenommen wird und ihre Chancen erkannt wurden.“

Was nun am Ende im Gesetzesentwurf steht, ist für die Crowdfunding- und Gründerszene also ein deutlicher Schritt nach vorne, aber die Branche wünscht sich eigentlich mehr von der Politik. „Es ist kein Gesetz, das wie in Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Italien oder Großbritannien dafür sorgt, dass mehr innovative Unternehmen sich finanzieren können“, sagt Wenzlaff. Die Ausnahmen für die Crowdfunding-Branche seien eine Notlösung, um die schlimmsten Folgen aus dem ursprünglichen Entwurf abzufedern. „Aber es ist nicht der von der Koalition versprochene einheitliche Regulierungsrahmen für Crowdfunding.“

Der Bundesverband Deutsche Startups, die Deutsche Mikroinvest und Seedmatch sehen ebenfalls noch Nachbesserungsbedarf – insbesondere in Bezug auf die Selbstauskunft bei Investments von mehr als 1.000 Euro, die auch weiterhin nicht online möglich sein soll. „Wir fordern die Bundesregierung unverändert auf, die Digitale Agenda auch bei diesem Gesetzesvorhaben zu leben. Konkret bedeutet das, dass der Anleger seine Selbstauskunft online abgeben können muss“, schreibt der Verband und auch Seedmatch ist hier kritisch: „Diese Investments machen bei vielen Projekten den Hauptteil aus. Ob die Investoren diese Selbstauskunft jedoch wirklich abgeben möchten, bleibt abzuwarten“, so Drotbohm und die DMI ist sicher: „Unternehmen, die mehr als 500.000 Euro emittieren leben von Anlegern, die 5.000 oder 10.000 Euro investieren. Hier steht eine Abfrage über die Vermögenssituation im Weg.”