Auch den Käufern blieb der Wirbel nicht verborgen. Man habe das Start-up deswegen sehr genau unter die Lupe genommen, sagte Meet Me-Chef Cook. „Lovoo hat seither viele Verbesserungen einführt.“ Dazu gehören neue Compliance-Regeln und neue Verifizierungsmöglichkeiten der Nutzerprofile. „Wir werden den Kampf gegen Fake-Profile weiter fortsetzen“, versprach Cook im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Das börsennotierte Unternehmen mit Sitz in New Hope, Philadelphia, hatte in den vergangenen zwölf Monaten bereits zwei Übernahmen ähnlicher Größe getätigt. Zu den Neuwerbungen gehört das kalifornische Unternehmen If(we), das die sozialen Netzwerke Hi5 und Tagged betreibt. Einverleibt hatte sich Meet außerdem die international aufgestellte Dating- und Netzwerkplattform Skout.

„Auf dem Markt gibt es einen klaren Trend zur Konsolidierung“, sagte Cook. Anfang 2016 hatte etwa das chinesische Unternehmen Kunlun Tech Grindr – eine Dating-App für Schwule – übernommen. Auch die Match Group, Muttergesellschaft der prominenten Dating-App Tinder, hat in der Vergangenheit immer wieder Übernahmen getätigt.

Gefragtes Know-how

Lovoo passe wegen seiner starken Präsenz in Europa perfekt in das Portfolio seines Unternehmens, so Cook. Nur ein Bruchteil der Nutzer sei sowohl bei Lovoo, als auch bei einem anderen Netzwerk des Unternehmens angemeldet. Ein weiterer Grund für die Übernahme sei das Know-how der Dresdener in Bezug auf die werbeunabhängigen Einnahmequellen: Nur 28 Prozent des Umsatzes gehen bei Lovoo auf Anzeigen zurück – der Großteil des Erlöses stammt aus Abo-Einnahmen und In-App-Verkäufen.

Cook erhofft sich durch die Übernahme zudem neue Skaleneffekte. „Wir setzen auf verschiedene Marken, aber arbeiten daran, die Plattformen technisch zu vereinheitlichen“, erklärte er. „Das vereinfacht es uns, neue Features schnell im ganzen Portfolio anzubieten.“ Als Beispiel nannte er die Möglichkeit, Livevideos einzustellen. In den einzelnen Apps lassen sich zudem auch Nutzer anderer Apps der Unternehmensgruppe finden und anschreiben. Ob das auch bei Lovoo der Fall sein wird, ließ Cook noch offen. Aus Nutzersicht ändere sich zunächst nichts.

Eigenen Angaben zufolge hat die Meet Group nun – inklusive Lovoo – 15,8 Millionen monatlich aktive Nutzer. Das Unternehmen hat nach der Übernahme 322 Vollzeitmitarbeiter. Das Team in Berlin und Dresden solle sich auf Dauer auf einen bestimmten „Plattform-Service“ konzentrieren. Die Aussichten seien aber positiv, so Cook: „Das Entwickler-Team ist weltklasse. Langfristig wollen wir den Personalstamm in Deutschland sogar aufstocken.“ Verglichen mit den USA seien zudem die Personalkosten geringer.