Das Berliner Start-up setzt Künstliche Intelligenz ein, um radiologische Aufnahmen auszuwerten. Fehldiagnosen sollen so verringert werden.

Mit technischer Unterstützung zu verlässlicheren medizinischen Diagnosen: Das verspricht Mediaire. Gegründet vor einem Jahr, hat das Berliner Start-up eine Software für Radiologen entwickelt. Diese wertet MRT-Aufnahmen der Gehirnregion innerhalb weniger Minuten automatisiert aus und erstellt daraus Reports. Erkrankungen wie Alzheimer oder Multiple Sklerose sollen so früher und schneller erkannt werden.

Im Januar erst hat Mediaire eine Zertifizierung als Medizinprodukthersteller erhalten, nun geht es auch an der Finanzierungsfront voran. Wie das Start-up heute mitteilte, hat es in einer Seed-Finanzierungsrunde einen hohen sechsstelligen Betrag eingeworben. Investoren sind demnach der High-Tech-Gründerfonds (HTGF) sowie eine Gruppe nicht näher genannten Privatinvestoren.

Die Anschubfinanzierung will das Start-up nutzen, um das Team zu vergrößern und seine Software weiterzuentwickeln. „Im nächsten Schritt sollen automatisierte Diagnosevorschläge sowie Befundberichte hinzukommen“, sagte CTO Jörg Döpfert im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Der Physiker hatte das Unternehmen zusammen mit Andreas Lemke, ebenfalls Physiker, sowie den Radiologen Henrik Michaely und Michael Fenchel gegründet.

Erweiterung um andere Krankheitsbilder

Ab dem kommenden Jahr will das Team seine Software auch für andere Krankheitsbilder anpassen. Das aktuelle Verfahren beruht laut Döpfert auf einer Kombination aus modernen Machine-Learning-Techniken und traditionellen Ansätzen der Bildanalyse. „Wir analysieren unter anderem die Histogramme der Aufnahmen, um helle Flecken im Gehirn zu erkennen“, so Döpfert. „Diese deuten auf für Multiple Sklerose typische Gewerbeveränderungen hin.“

Das Start-up wirbt damit, dass sein Produkt den Radiologen viel Zeit spart. Laut Döpfert entstehen bei MRT-Aufnahmen bis zu tausend Schnittbilder, die bewertet werden müssen. Die Software macht das automatisch. Dass die Ergebnisse valide sind, musste das Start-up in einer Studie für die Zulassung unter Beweis stellen.

Starke Konkurrenz aus Israel

Mit seiner Software dringt das Start-up in Felder vor, die auch Medizingeräte-Hersteller bearbeiten. So gibt Siemens Healthineers an, im Bereich der bildgebenden Diagnostik mehr als 80 Patente für „Deep Learning“ zu halten. Neue Verfahren entwickelt auch das Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt. Größter Wettbewerber aus der Start-up-Welt dürfte Zebra Medical Vision sein. Das israelische Unternehmen hatte vergangenen Sommer 30 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt.

Abheben will sich Mediaire vor allem mit seinem Ansatz, ohne Cloud-Computing auszukommen. Die Daten verließen niemals die Arztpraxis, beteuert das Start-up. Stattdessen finden die Berechnungen direkt vor Ort statt. Die Software ist nach Angaben Döpferts mit nahezu allen gängigen MRT-Geräten kompatibel – denn genutzt werde herstellerübergreifend ein bestimmtes Datenformat.