Das aus einem Spin-Off der Münchener Uniklinik entstandene Start-up bringt auf seiner Plattform Sanitätshäuser, Patienten und Produktionszentren zusammen.

Neues Jahr, neue Kapitalspritze – aber die alten Geldgeber: Dass sein Unternehmen gerade eine Finanzierungsrunde abgeschlossen hat, die der von Anfang 2019 gleicht, sieht Manuel Opitz als große Bestätigung für die Arbeit seines Teams. Wieder hat Mecuris 3,6 Millionen Euro eingesammelt, wieder kommt das Geld vom High-Tech-Gründerfonds, Bayern Kapital, Mulcan, Vesalius Biocapital und den Sana Kliniken. „Es war damals schon eine Aufstockung der Finanzierung vereinbart, wenn wir bestimmte Ziele erreichen“, sagt Opitz. „Wir freuen uns sehr, dass nun tatsächlich alle mitgezogen sind.“

Welche Ziele genau das sind, kann der COO und Mitgründer von Mecuris verständlicherweise nicht offenlegen. Auch für Außenstehende erkennbar ist aber: Das Münchener Start-up ist auf einem guten Weg, sich in einem noch jungen Nischenmarktes zu etablieren. Mecuris ist spezialisiert auf den 3D-Druck von Prothesen und Orthesen, also orthopädischen Hilfsmitteln wie Schienen. Die individuell angefertigten Teile versprechen eine bessere Passgenauigkeit – und können auch optisch nach den Vorstellungen des Patienten angepasst werden.

Auf der Fachmesse OT World in Leipzig hatte das Spin-off der Uniklinik München 2016 erste Prototypen gezeigt. Als erstes Produkt brachte Mecuris 3D-gedruckte Prothesenfüße für Kinder auf den Markt, es folgten solche für Erwachsene und sogenannte Cover, die die eigentliche Prothese abdecken. Dank entsprechender Zertifizierungen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Produkte. „Wir konnten im vergangenen Jahr einen deutlichen Sprung beim Umsatzwachstum machen“, sagt Opitz.

Expansion in die USA geplant

Kunden des Start-ups sind indes nicht die Patienten direkt – sondern Sanitätshäuser. Ihnen bietet Mecuris eine Online-Software an, über sie die Hilfsmittel individuell anpassen können. Hergestellt werden die Produkte dann bei 3D-Druck-Dienstleistern und von Experten des Start-ups geprüft. Orthopädietechnikern soll das Möglichkeit geben, auch ohne eigenes technisches Know-how oder neue Investitionen an dem Zukunftsmarkt teilzuhaben. „Wir machen die Fertigung von Einzelstücken skalierbar“, sagt Opitz.

Derzeit arbeitet Mecuris bei der Fertigung mit vier Produktionszentren zusammen. Darunter ist seit neuestem auch eines in Belgien, das bei der Expansion in Europa helfen soll. Auch in den USA tastet sich das aktuell 30-köpfige Start-up vor. Laut Opitz hat Mecuris gerade eine Registrierung bei der US-Gesundheitsbehörde FDA erreicht. Nun suche man dort sowie in weiteren Ländern Distributionspartner.

Mit aktuellen Kundenzahlen hält sich der Gründer zurück. Vor anderthalb Jahren hatte Mecuris angegeben, dass sich knapp 200 Sanitätshäuser auf der Plattform registriert haben. Daran, dass im 3D-Druck die Zukunft liegt, glaubt auch Marktführer Otto Bock, der Sanitätshäusern einen ähnlichen Service anbietet. Dazu hatte die Unternehmensgruppe im Mai 2018 auch das Düsseldorfer Start-up Medica OT übernommen. Zudem experimentieren größere Sanitätshäuser mit eigenen 3D-Druckern.

EU-Verordnung sorgt für Verunsicherung

Opitz beobachtet das gelassen. „Wir betrachten viele vermeintliche Wettbewerber als potenzielle Kooperationspartner“, sagt er. Als Helfer für andere Unternehmen der Branche will sich das Start-up auch in einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt positionieren, das im März beginnt. Darin geht es um neue Prüfverfahren für Einzelanfertigungen.

Entstanden ist das Projekt vor dem Hintergrund neuer EU-Regularien, die in der Medizintechnik-Branche bereits seit Monaten für Unruhe sorgen: Nach der Medizinprodukte-Verordnung (MDR) greifen ab Mai strengere Kontrollen, nötig sind zudem neue Zertifizierungen. Befürchtet werden deswegen Versorgungsengpässe. Betroffen sind auch 3D-gedruckte Prothesen, die rechtlich größtenteils als Sonderanfertigungen gelten. Mecuris selbst hat sich nach eigenen Angaben rechtzeitig um eine Zertifizierung bemüht – das Know-how stelle man nun gerne Kooperationspartnern zur Verfügung, sagt Opitz.