Ganz einfach ist Gisela Strnad der Übergang aus dem Angestelltenleben in die Selbstständigkeit allerdings nicht gefallen. „Es war ungewohnt, sich als Person zu vermarkten“, sagt sie. Marketing für Produkte sei zwar ihr Job, aber Marketing für sich selbst – das sei etwas ganz anderes. Gerade Frauen empfänden das so. Dabei spricht Strnad nicht nur aus eigener Erfahrung. Bei Fujitsu war sie Genderbeauftragte.

Zweite Karrierechance für Frauen

Die Selbstvermarktung gelernt hat Strnad mit Unterstützung der Hannoveraner Agentur Gründerinnen-Consult, einer vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung initiierten Gründungsberatung und Vernetzungsstelle für Frauen. „Gerade Frauen 50 plus wollen sich beruflich verbessern, die letzten Berufsjahre noch etwas bewegen und ihre eigene Chefin sein”, berichtet Cornelia Klaus, Leiterin von Gründerinnen-Consult.

Der RKW-Report bestätigt auch, dass bei Frauen längst nicht immer mangelnde Jobangebote der Grund für eine späte Selbstständigkeit sind. Demnach gründen Männer über 45 zwar vorrangig aus Notsituationen, bei Frauen dieses Alters aber stehe das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung im Vordergrund. „Wenn die familiären Pflichten weniger werden, bietet sich eine zweite Karrierechance“, erläutert Noemí Fernández Sánchez.

Gründungscoaching 40+

Unabhängig von Geschlecht und Gründungsmotivation ist Coaching vielen älteren Gründern eine große Hilfe. Es gibt sogar Beratungen ausschließlich für Menschen oberhalb eines bestimmten Alters, wie die Beratung top forty zum Beispiel. Sie bietet Karriereberatung für Unternehmer, Gründer, Freiberufler und Angestellte zwischen 40 und 65 Jahren. Und top forty ist selbst ein Beispiel für ein spätes Start-up.

Gründerin und Geschäftsführerin Monika Funsch kommt aus dem Personal- und Change-Management. Als ihr Arbeitsplatz in einem internationalen Ingenieurbüro durch einen Inhaberwechsel erst drastisch verändert und dann gestrichen wurde, entdeckte sie die Marktnische: „Ich war Mitte 50 und habe keine kompetente Beratung gefunden, die meine Sprache gesprochen hätte, die meine Probleme nachvollziehen konnte, die mich weitergebracht hätte”, erzählt Funsch. Genau das wollte sie in Zukunft tun: Für Menschen ab 40 als Coach und Trainerin da sein, ihnen eine Stimme geben.