Das Bochumer Start-up will E-Learning im Job auf die nächste Stufe bringen. Bei Konzernen kommt der Ansatz an, doch die Konkurrenz ist groß.

Was treibt Menschen an, sich kontinuierlich neues Wissen anzueignen? Und wie bleiben die Lektionen wirklich hängen? Nach Antworten sucht die Weiterbildungsplattform Masterplan, die von Bochum aus Unternehmen in Sachen Lernkultur voranbringen will. Hohe Abbruchraten bei Online-Kursen sollen der Vergangenheit angehören, wenn es nach den Gründern Stefan Peukert (im Bild re.) und Daniel Schütt geht. „Wir treten bei der Nutzererfahrung gegen Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime an“, sagt Peukert im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. „Unser Ziel ist es, dass Mitarbeiter sich auch außerhalb der Arbeitszeit mit den Inhalten beschäftigen – weil sie das Gefühl haben, dass sie das beruflich weiterbringt.“

Gerade in der aktuellen Krisenzeit will das Start-up seinen Unternehmenkunden den Weg zur neuen Normalität ebnen: zum Beispiel mit Anleitungen zur digitalen Zusammenarbeit über Zoom, Slack und Co. Doch nicht erst seit dem Corona-Ausnahmezustand boomt der Markt für berufliche Weiterbildung. Dass Unternehmen lebenslanges Lernen zunehmend zur strategischen Priorität erklären, gibt Masterplan seit dem Marktstart 2018 kräftigen Anschub.

Das gilt allerdings auch für die Konkurrenz: darunter das Berliner Start-up Quofox, die E-Learning-Anbieter Udemy und Udacity oder auch LinkedIn Learning. Gerade gegen das US-amerikanische Karrierenetzwerk will Masterplan antreten. Der Sprung in die USA ist für das kommende Jahr geplant.

Weitere Millionen-Finanzierung

Eine neue Finanzierung in mittlerer einstelliger Millionenhöhe soll dabei helfen. Das Kapital kommt in Form eines Wandeldarlehens von der NRW-Bank, dem Gründerfonds Ruhr, der RAG-Stiftung sowie von Bestandsinvestoren, wie das Start-up Ende August bekanntgab. Vor zwei Jahren konnte Masterplan bereits sechs Millionen Euro einsammeln, damals angeführt von Tengelmann Ventures. Zu den Investoren gehören auch Ex-Bertelsmann-CEO Gunter Thielen, Dieter von Holtzbrinck Ventures sowie Trivago-Mitgründer Rolf Schrömgens.

Mit Video-Lektionen gestartet, plant und produziert das Start-up mit 75 Mitarbeitern inzwischen Lernprogramme für knapp 200 Unternehmen und Organisationen, darunter die Deutsche Post, der Autohersteller Audi oder Möbelhändler Ikea. Masterplan verdient dabei in einem Abo-Modell pro Mitarbeiterzugang. Neben dem Hauptstandort in Bochum hat die junge Firma in diesem Jahr zusätzliche Büros in Berlin und Wien eröffnet.

Von Videokursen zur Lernplattform

Die Ziele sind hoch gesteckt: Masterplan will sich als erste Anlaufstelle für digitales Lernen in Unternehmen etablieren. Die Organisationsberatung spielt dabei eine wichtige Rolle, wie Geschäftsführer Peukert erklärt: „Statt neue Videos zu erstellen, wird für uns in Zukunft viel relevanter, Lernprozesse innerhalb der Organisation transparent zu machen. Wir wollen auch die von den Unternehmen selbst erstellten Quellen wie Text, Ton und Präsentationen zusammenbringen.“

Zusätzlich arbeitet Masterplan daran, die Lerneinheiten interaktiver zu gestalten. Nutzer sollen das Gelernte besser in den Arbeitsalltag übertragen können. Das ist generell ein Knackpunkt beim E-Learning: Nur weil Lektionen abgeschlossen sind, heißt das noch lange nicht, dass das neue Know-how sitzt – und der Transfer gelingt. Die Start-up sammelt dazu noch Erfahrungswerte, wie Gründer Peukert zugibt: „Wir stehen noch am Anfang damit, die Lernenden selbst stärker in die Anwendung zu bringen. Darauf liegt der Fokus bis Ende des Jahres.“

Zumindest für das weitere Wachstum dürften Peukert und Schütt von ihrer eigenen Gründungserfahrung profitieren. Das Geld aus dem Verkauf ihrer ersten gemeinsamen Firma Employour an Bertelsmann 2015 stecken die beiden inzwischen auch in andere Start-ups wie ArtNight aus Berlin.