Exklusiv-Interview mit Maria Scharapowa: Die bekannteste Tennisspielerin der Welt baut eine Süßigkeiten-Marke auf, um das Leben nach dem Profisport vorzubereiten.  

High Heels statt Sportschuhe. Keine weißen Socken, sondern blaue Nylonstrümpfe. Schwarze Business-Hose und Nadelstreifenbluse statt Tenniskleid – Maria Scharapowa ist anzusehen, dass sie heute Vormittag in Köln keinen Center Court betritt, sondern ein geschäftliches Spielfeld. Es ist der zweite Tag der ISM, der weltweit größten Messe für Snacks und Süßwaren.

Und Scharapowa, eine der bekanntesten Tennis-Spielerinnen der Welt, präsentiert auf ihrem eigenen Messestand – zwischen einem Haselnussgroßhandel und einem polnischen Pralinenhändler – ihre Geschäftsidee: sündhaft teure Süßigkeiten in schicker Verpackung.

„Sugarpova“ heißt der Name ihres 2012 gegründeten Unternehmens, das Fruchtgummis und neuerdings auch Schokolade produziert. Bisher scheint das Geschäft ganz gut zu laufen: 2015 soll die Marke nach Angaben des US-Magazins Forbes fünf Millionen Packungen verkauft haben. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, dass Scharapowa 1,10 Dollar pro Packung verdient. Das Unternehmen selbst hält Geschäftszahlen auch auf Nachfrage geheim.

Die Produkte sind in mehr als 25 Ländern weltweit erhältlich, in Deutschland bisher allerdings nur per Versand. In einem Tennis-Onlineshop kann man den Preis finden: 4,90 Euro kostet eine Packung Fruchtgummis, die Geschmacksrichtung variiert zwischen süß und sauer. Ab Juli sollen die „Sugarpova“-Süßigkeiten auch in deutschen Geschäften zu kaufen sein.

Im vergangenen Jahr konnte sich die 29-Jährige Russin voll auf ihr Geschäft konzentrieren: Wegen Doping-Vorwürfen ist sie seit Januar 2016 gesperrt und darf erst wieder im April dieses Jahres an Tennisturnieren teilnehmen. Um mit Scharapowa auf der ISM in Köln zu sprechen, musste WiWo Gründer eine Bedingung erfüllen: Das Gespräch solle sich nur um „Sugarpova“ drehen, schrieb die Pressesprecherin im Vorfeld – auf keinen Fall über Themen wie „Doping, ihr Liebesleben oder Serena Williams“ (Scharapowas ärgste Konkurrentin; Anm. d. Red.).

Nun denn, reden wir übers Geschäft!

WiWo Gründer: Frau Scharapowa, sind Sie Tennis-Spielerin oder Geschäftsfrau?
Natürlich brenne ich am meisten für Tennis. Aber ich habe auch eine Leidenschaft fürs Geschäft, schon seitdem ich 17 Jahre alt bin. Damals habe ich das Turnier in Wimbledon gewonnen und bekam viele Werbeverträge mit internationalen Marken…

… die Ihnen ein Vermögen einbringen: Nach Angaben von „Forbes“ haben Sie bisher rund 285 Millionen Dollar verdient – der größte Teil davon sind Sponsorengelder. Was hat Sie dazu gebracht, neben der Karriere ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Ich hatte vor vielen Jahren eine schwere Verletzung in der Schulter und wusste, dass ich nicht mein ganzes Leben lang Tennis spielen und damit Geld verdienen kann. Deshalb habe ich überlegt, wie ich mich auf mein Leben nach dem Tennis vorbereiten kann. Außerdem wollte ich nicht nur Markenbotschafterin für große Unternehmen sein, sondern eine eigene Firma haben, bei der ich für alles zu 100 Prozent verantwortlich bin.

Deswegen haben Sie im Jahr 2012 eine halbe Million Dollar in „Sugarpova“ investiert. Warum haben Sie ausgerechnet eine Süßwarenmarke gegründet?
Ich war schon immer eine Naschkatze und habe mich für Süßigkeiten begeistert. Und bei meinen Reisen um die Welt habe ich mit Blick in die Süßwarenabteilungen festgestellt, dass die meisten Verpackungen von Fruchtgummis und Schokolade so gestaltet sind, dass man sie schnell wieder vergisst. Das wollte ich ändern und ein spielerisches Design schaffen – deshalb sind die Verpackungen minimalistisch gestaltet, aber mit dem Kussmund als Logo.

Mal ehrlich: Wie häufig essen Sie Süßigkeiten?
Einmal pro Woche. Und manchmal noch zwischendurch etwas dunkle Schokolade.

Die meisten Sportler vermarkten Lebensmittel, die als besonders gesund gelten. Passen denn Süßigkeiten überhaupt zu Ihrem Image als Leistungssportlerin?
Süßigkeiten zu verkaufen war eine radikale Idee. Aber wissen Sie, als Sportlerin muss man sich auch manchmal eine Pause von all der Disziplin gönnen und seiner Lust frönen. Dieses Gefühl möchte ich mit meinem Produkt vermitteln.

Der Preis für dieses Gefühl ist ziemlich hoch. Ihre Tafel Schokolade wird auf dem deutschen Markt mehr als drei Euro kosten. In welchen Geschäften wollen Sie das verkaufen?
Wir sind gerade noch dabei, die Verträge mit den Händlern abzuschließen. Der erste Verkauf startet Ende April, wenn ich bei einem Tennisturnier in Stuttgart mein Comeback auf dem Tennisplatz feiern werde.

2016 durften Sie kein Profitennis spielen und sich voll auf ihr Unternehmen konzentrieren. Was haben Sie in der Zeit für das Unternehmen gemacht?
Im vergangenen Jahr habe ich vor allem an der Entwicklung und der Vermarktung neuer Produkte gearbeitet. Ich habe mir viele Fabriken angeschaut und schließlich einen Vertrag mit Baron Chocolatier abgeschlossen, einem Familienbetrieb aus der Stadt Posen. Dort wird unsere Schokolade produziert, der Kakao kommt aus der Elfenbeinküste.

CEO von „Sugarpova“ sind aber nicht Sie selbst, sondern ihr langjähriger Manager Max Eisenbud.Wer denn trifft die Entscheidungen in Ihrem Unternehmen?  
Ganz einfach: Weil ich die Rechnungen bezahle, treffe ich selbst jede Entscheidung.