Der Online-Marktplatz Mapudo will den Stahlhandel revolutionieren – und macht mit seiner Plattform Milliardenkonzernen Konkurrenz.

Gisbert Rühl, Chef des Duisburger Stahlhändlers Klöckner, flog 2012 ins Silicon Valley, um seinem Konzern eine Frage zu beantworten: „Ich wollte wissen, welche Gründer und welches Geschäftsmodell uns gefährlich werden würden.“ Fünf Jahre später lässt sich feststellen: Es muss nicht immer eine Reise nach Kalifornien sein. Ein Ausflug ins benachbarte Düsseldorf reicht. Denn dort sitzt der Gründer Martin Ballweg, der es mit seinem Geschäftsmodell auf Klöckners Branche abgesehen hat: „Wir wollen die erste Adresse im Online-Stahlhandel werden“, sagt der 34-Jährige.

Stahl per Fax bestellen? Wie altmodisch!

Klar, das Amazon für X (bitte fügen Sie hier irgendeine traditionelle Industrie ein) wollen viele Start-ups werden. Aber Ballweg hat mit seinem Team tatsächlich etwas aufgebaut, das Klöckner (noch) nicht hat: einen Onlineshop für Stahl, bei dem die Kunden zwischen verschiedenen Anbietern wählen können.

Vor drei Jahren wunderte sich Ballweg darüber, dass Stahl im 21. Jahrhundert immer noch per Fax bestellt wird. Sein ehemaliger Kommilitone Marius Rosenberg machte zu der Zeit als Berater der Boston Consulting Group ein Projekt bei Thyssenkrupp und lernte dort Sebastian Grethe kennen. Die drei fassten den Entschluss, einen Online-Marktplatz für Stahl aufzubauen und verließen ihre Unternehmen, um Mapudo zu gründen. Die Abkürzung steht für „Materials purchasing directly online“.

Überzeugungsarbeit bei den Händlern leisten

Zunächst mussten sie Überzeugungsarbeit bei den Stahlhändlern leisten. „Ein paar haben mitgemacht aber die meisten schüttelten mit dem Kopf, als wir ihnen von unserer Idee erzählt haben“, sagt Ballweg. Heute klingt die Idee auch für die großen Stahlkonzerne nicht nach Spinnerei, sondern Zukunftshoffnung: Im März 2016 startete Klöckner einen Onlineshop, einen Monat später eröffneten Salzgitter und Thyssenkrupp ihre eigenen Verkaufsplattformen im Netz. Stahl wurde plötzlich digital.

Mapudos Marktplatz ging zwar erst im Sommer 2016 online, dafür aber direkt mit einem Mdax-Unternehmen als größtem Kunden: Der Baudienstleister Bilfinger kauft über Mapudo Stahlrohre ein, um Industrieanlagen in Stand zu halten.

Mittlerweile präsentieren 20 Händler ihre Stahlprodukte auf Mapudo und zahlen – ähnlich wie bei Amazon – eine Gebühr für jede Transaktion an die Plattformbetreiber. „Stahleinkäufer bestellen heute immer öfter online, anstatt in die Gelben Seiten zu schauen“, sagt Ballweg.

Ein Vorteil im Vergleich zu den Marktplätzen der etablierten Konzerne sei, dass Mapudo über die Vielzahl an verschiedenen Händlern eine Art Onlinekatalog für Stahlprodukte aufbaut, den es so noch nicht gibt. Die Vielfalt fordert die Kunden heraus: Es gibt allein 800 verschiedene Arten von Blindflanschen im Sortiment, mit denen sich Stahlrohre verbinden lassen.

Umsatzziel liegt im siebenstelligen Bereich

In diesem Jahr will Martin Ballweg ins Online-Marketing investieren und den Vertrieb stärken, um bekannter zu werden. „Unsere Händler brauchen mehr Kunden.“ Außerdem soll demnächst eine Bezahlmöglichkeit über die Plattform möglich sein. Langfristig werden Aluminium, Karbon und Kunststoffe das Angebot ergänzen. Das Umsatzziel liegt im siebenstelligen Bereich. Im Laufe des Jahres wollen die Gründer die Zahl ihrer Mitarbeiter verdoppeln.

Steckbrief Mapudo:
Gründer: Sebastian Grethe und Martin Ballweg, Niklas Friederichsen, Marius Rosenberg und Markus Weiland
Gründung: 2014
Mitarbeiter: 12
Finanzierung: siebenstelliger Betrag Wagniskapital, u. a. von NRW.Bank und SHS Ventures