Das französische Online-Portal will besonders in Deutschland stark wachsen – gegen die Shops von Obi & Co. Investoren sorgen für üppige Unterstützung.

Holz, Aluminium oder doch Kunststoff? Wer sich jetzt schon nach Gartenstühlen für das Frühjahr auf der Terrasse oder dem Balkon umguckt, findet auch online eine große Auswahl. Baumärkte wie Obi, Bauhaus oder Toom haben eigene Webshops, aber auch Online-Möbelhändler wie Home24 oder Supermärkte wie Real mischen digital mit. Der französische Online-Baumarkt Manomano will auf dem umkämpften Markt der Garten- und Badezimmereinrichtung, der Baumaterialien und Elektroartikel mitmischen.

Investoren glauben daran, dass in der preissensiblen Branche Platz ist für einen reinen Online-Akteur. In einer aktuellen Finanzierungsrunde erhält das 2013 gegründete Unternehmen nun erneut stolze 125 Millionen Euro, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfahren hat. Die Investoren hinter der aktuellen Finanzierung sind nicht für naive Investments bekannt. Angeführt wird die Runde von Temasek, dem Investmentfonds des Stadtstaates Singapur. Auch beteiligte Risikokapitalgeber wie General Atlantic oder Partech machen in der Regel ihre Analysen vor vergleichbaren Investitionen.

Deutscher Markt steht im Fokus – trotz schwieriger Bedingungen

Das Portal ist bereits in sechs europäischen Ländern aktiv – legt aber einen besonderen Fokus auf Deutschland. Von den 620 Millionen Handelsvolumen, die Manomano nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr abgewickelt hat, stammten aber gerade einem 43 Millionen Euro von deutschen Kunden. Immerhin: Im Vergleich zum Vorjahr wuchs der deutsche Markt um 120 Prozent.

Den eigenen Ansprüchen genügt das jedoch noch nicht. Nach einer 110-Millionen-Euro-Finanzierung im vergangenen Jahr hatte Manomano gesagt, dass ein Viertel des gesamten Handelsvolumens über die deutsche Plattform laufen solle. Dazu fehlen bei den Umsatzzahlen von 2019 noch mehr als 100 Millionen Euro. Der deutsche DIY- und Heimwerkermarkt sei der größte in ganz Europa, lassen sich die Gründer Philippe de Chanville und Christian Raisson nun in einer Pressemitteilung zitieren – aber eben auch hart umkämpft.

Online hat die Branche Nachholbedarf

Analog hat sich der deutsche Markt bereits bereinigt. Das Aus der Baumarktkette Praktiker 2013 war auch das Ergebnis eines ruinösen Preiskampfs. Die verbleibenden Ketten haben ihr Internetgeschäft spät aufgebaut – wobei unklar bleibt, ob das Angebot oder die Nachfrage fehlte. Studien aus dem vergangenen Jahr zeigten, dass gerade einmal vier Prozent der Deutschen online Baumarkt-Artikel gekauft hatten.

Manomano ist optimistisch, dass dieser Anteil steigen wird. Man sehe sich nicht als Überlebender auf dem Markt, sagt Philippe de Chanville gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Es gebe noch keinen klaren Marktführer im digitalen DIY-Bereich, weil die Branche generell bei der Digitalisierung hinterherhinke.

Daher ist das junge Unternehmen überzeugt, auch gegen die Milliarden-Erlöse von Bauhaus oder Obi Erfolg haben zu können. „Im Vergleich mit unseren Wettbewerbern haben wir heute schon eine größere Produktvielfalt und Produktanzahl“, sagt de Chanville. „Das bedeutet, dass die Kunden bei uns auch Nischen-Produkte finden können, die es woanders nicht gibt.“

Investitionen in Beratung und Logistik

Gerade wenn es um die passenden Anschlüsse oder Schrauben geht, ist häufig auch eine genaue Beratung gefragt. Als reiner Online-Akteur will Manomano da mit einem Kundendienst helfen. Auf der Webseite soll über ein Chatfenster direkt ein Berater bereitstehen. Seit einigen Monaten gebe es diese „Manoadvisers“ auch in Deutschland, sagt de Chanville. Wie beim analogen Baumarktbesuch sind die aber nicht immer zur Stelle – ein zufälliger Test am Abend führt zur lapidaren Aussage „Momentan ist kein Berater verfügbar“. Insgesamt soll das 420-köpfige Manomano-Team in diesem Jahr um 200 neue Mitarbeiter anwachsen.

In Deutschland soll nun zudem ein eigenes Logistikzentrum entstehen, um die Lieferungen schneller abwickeln zu können. Außerdem will das französische Start-up bald auch bei der Werbung mit den großen Wettbewerbern mithalten: „Um Markenbekanntheit zu gewinnen, werden wir unsere erste Medienkampagne in Deutschland starten“, berichtet de Chanville.

Deutsche Anbieter wie Metabo oder Festool konnte Manomano dabei schon überzeugen. Nach Angaben des Start-ups sind sie mit einem Handelsvolumen von 67 Millionen Euro die größten Exporteure auf den internationalen Plattformen. Diese Zahl soll sich nach dem Plan des Manomano-Chefs in den kommenden vier Jahren verzehnfachen. Man biete eine einfache Möglichkeit, europaweit die eigenen Waren anzubieten, ist de Chanville überzeugt.