Das Münchener Start-up Magazino holt sich einen weiteren Strategen an Bord – kämpft aber noch mit den Folgen der Corona-Krise.

Autonome Gabelstapler voranzubringen – so lautet das gemeinsame Ziel von Magazino und Jungheinrich. In den nächsten Jahren sollen dafür Robotik-Spezialwissen des Start-ups und Intralogistik-Know-how des Hamburger Marktführers zusammenfließen. Schon jetzt schickt die junge Firma Roboter in Lagerhallen, um beispielsweise Schuhkartons eigenständig einzusammeln. In der Produktion liefern Magazino-Roboter Boxen mit kleineren Bauteilen direkt ans Band. Möglich wird das durch bessere Sensoren, 3D-Kameras und leistungsfähigere Software, die den Fahrzeugen bei der Orientierung helfen.

Die Kooperation mit Jungheinrich bringt dem Start-up neben interessanten neuen Anwendungsfeldern nun auch frisches Kapital, wie die junge Münchener Firma vergangene Woche bekanntgab. Bestehende Investoren, darunter Partnerunternehmen und Kunden wie Zalando, Fiege und Körber, legen ebenfalls in einer Series-B-Finanzierungsrunde nach. Zusätzliche 21 Millionen Euro stehen Magazino nun insgesamt zur Verfügung, um seine Robotiksoftware zu verbessern und weitere Kunden zu gewinnen. Enthalten ist in der Summe auch ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) über zwölf Millionen Euro.

Mit Kurzarbeit durch die Krise

Verstärken will sich das Start-up insbesondere im europäischen Ausland, etwa in Frankreich und Großbritannien. Der Vertrieb werde internationaler und auch das Software-Team wachse, kündigt Magazino-Gründer und Geschäftsführer Frederik Brantner (re. im Bild) im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer an. Im Wachstum geht es für die junge Firma schrittweise voran. „Wir werden erstmal keine riesigen Sprünge machen, mit der aktuellen Unternehmensgröße bin ich zufrieden“, sagt Brantner. Mit 110 Mitarbeitern, davon die Hälfte in der Softwareentwicklung, gilt es nun erstmal durch die aktuelle Krise zu navigieren.

Denn ein Teil des Start-up-Teams ist nach wie vor in Kurzarbeit. Gerade die Einschnitte bei Automobilzulieferern und im Einzelhandel bekommt Magazino zu spüren. Projekte kommen langsamer voran, wenn der Zugang zu Werkshallen fehlt oder die Produktion der eigenen Roboter-Modelle stockt. 80 mobile Lagerhelfer hat Magazino bis jetzt gebaut. Ende des Jahres, so rechnet Brantner, dürfte das Start-up wieder seine Vorkrisen-Auslastung erreichen.

Ausdauernde Investoren gesucht

Eine herausfordernde Situation, um neues Kapital einzuwerben: Auf langfristige Partnerschaften zu setzen, nimmt der Magazino-CEO gerade jetzt als Vorteil wahr. „Die meisten Fonds sind vorsichtiger geworden. Strategische Investoren zu gewinnen, damit haben wir uns leichter getan – weil die weiter in die Zukunft blicken“, sagt Brantner, der die Robotikfirma 2014 gemeinsam mit Lukas Zanger und Nikolas Engelhard gründete.

Bereits 2018 konnte das Team gut 20 Millionen Euro von Strategen einsammeln. Früh beteiligte sich etwa Siemens über seine Start-up-Einheit Next47. Mit neuen Partnern wie Jungheinrich an Bord steigt nun auch der Abstimmungsaufwand. „Die Strategen haben unterschiedliche Schwerpunkte, und teilweise längere Zyklen für Entscheidungen“, erklärt Brantner. „Das liegt auch am Austausch mit den internen Rechtsabteilungen. Je größer so ein Konsortium wird, desto komplexer werden die Absprachen.“

Kurs auf die Werkshallen

Auf viele Meinungen und Interessen am Tisch lässt sich der Gründer allerdings lieber ein als auf straffe Vorgaben von Finanzinvestoren, wie er sie hierzulande häufig mitbekommt. „In Deutschland ist es im Vergleich zu den USA unglaublich schwierig, Finanzierungen für langfristige Zukunftsprojekte einzuwerben“, sagt Brantner. „Deutsche Finanzinvestoren sind viel ungeduldiger und erwarten oft früher in die Gewinnzone zu kommen.“

Noch steht für Magazino die Expansion im Vordergrund. Mit seinen mobilen Robotern sieht sich das Start-up im Online-Handel und der Produktion noch weitestgehend allein. „Die wenigsten Konkurrenten haben die Industrieversorgung im Blick, wo noch viel händisch passiert und teilweise hohe Lohnkosten bezahlt werden.“ Die zentrale Herausforderung ist nun, die autonomen Helfer einfacher und schneller in den Einsatz zu bringen.