Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten die Gründer von Lytt, Lara von Petersdorff-Campen und Marvin Homburg, an. Ihr Start-up bietet eine geschützte Plattform für Whistleblower. Wie urteilt Investor Frank Thelen?

Eine halbe Minute mit Investor Frank Thelen im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Im Verlauf eines Jahres wird jeder fünfte Beschäftigte hierzulande mindestens einmal belästigt, diskriminiert oder gemobbt. Mehr als die Hälfte meldet das nicht, aus Angst vor Repressalien oder aus Unsicherheit. Die Unternehmen kostet das viel Geld – durch Krankmeldungen, Fluktuation oder verminderte Produktivität. Wir haben eine digitale Plattform geschaffen, auf der Mitarbeiter Fehlverhalten vollkommen anonym dem Arbeitgeber melden und um Hilfe bitten können.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Lara hat selbst während eines Praktikums die Erfahrung gemacht, wie schwer es ist, sexistisches Verhalten einer Führungskraft anzusprechen. Obwohl sie eigentlich sehr selbstbewusst ist, schwieg sie. Durch #MeToo haben wir erkannt, dass es kein Einzelfall war. Also haben wir Lytt gestartet – als Ausgründung aus der Uni Münster.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Unternehmen zahlen ein Abo dafür, dass sie unseren Service anbieten können und so auch die Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …Sie ist divers. Gemischte Teams sind einfach erfolgreicher.

Und wie sieht es dann mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Drei von fünf Teammitgliedern sind weiblich und wir sind ja ein gemischtes Gründerduo. Bei Nationalität und Alter wären wir aber gern diverser.

Was war euer größter Rückschlag?
Unser Produkt war am Anfang zu komplex. Die Leute waren überfordert von zu vielen Fragen. Jetzt haben wir den Chat auf die relevanten Informationen reduziert und die Antwortmöglichkeiten einfacher gemacht.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Wir werden dann in der Lage sein, im Chat automatisch Betroffene zu beraten und erste Hilfe anzubieten. Und wir werden in Konfliktfällen automatisch vermitteln. Außerdem ist unser Dienst dann in allen wichtigen Sprachen zugänglich.

Fakten zum Start-up

Kunden: 5 Unternehmen, darunter die Bertelsmann Stiftung und die Deutsche Bahn
Finanzierung: Fördermittel und Privatinvestments
Gründung: 2019 in Münster
Mitarbeiter: 5

rde der Profi investieren?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 3/5

Urteil: „Idee und Geschäftsmodell sind in der heutigen Zeit sehr interessant. Doch ist es ein Problem der Unternehmenskultur, wenn Fehlverhalten nicht angesprochen werden kann. Zentrale Anlaufstellen für Mitarbeiter im Unternehmen wären hier eine Alternative.“
Frank Thelen, Gründer der Wagniskapitalfirma Freigeist, einstiger Investor bei MyTaxi und Wunderlist

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