Sogenannte Venture Loans spielen bei der Finanzierung bislang nur eine geringe Rolle in Deutschland. Warum ist das so? Und wann kann dieses Instrument für Start-ups wertvoll sein?

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichtet Lorenz Jellinghaus aus seinem Arbeitsalltag. Der Rechtsanwalt ist Partner bei der Kanzlei Lutz Abel in Hamburg. Als Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht begleitet er regelmäßig Gründer und Investoren bei Finanzierungsrunden.

Venture Loans („VL“) sind Finanzierungsinstrumente, welche speziell für Start-ups entwickelt worden sind. Sie zielen darauf ab, dem Start-up Fremdkapital zur Verfügung zu stellen und haben gegenüber klassischen Finanzierungsrunden zwei entscheidende Vorteile: Sie können in aller Regel schneller umgesetzt werden und Bestandsgesellschafter werden nicht bzw. nur gering verwässert. VL-Finanzierungen lassen die Gesellschafterstruktur grundsätzlich unverändert.

Schätzungen zufolge machen VL-Finanzierungen in den USA rund zehn Prozent der VC-Investments aus. In Deutschland ist das Instrument des Venture Loan im Vergleich weniger verbreitet: VL- Finanzierungen spielen noch keine große Rolle im hiesigen VC-Markt – im Gegensatz beispielsweise zu den sogenannten Wandeldarlehen. Doch für wen eignet sich dieses Instrument und was gilt es zu beachten?

Schwieriges Verhältnis zwischen Banken und Start-ups

Start-ups sind für Banken keine leichten Kunden, wenn es darum geht, einen Kredit zur Verfügung zu stellen. Denn klassische Banken tun sich schwer damit, die mit dem jeweiligen Geschäftsmodell verbundenen Risiken zu kalkulieren und entsprechende Kreditangebote zu Verfügung zu stellen. Allerdings gibt es auf Start-ups spezialisierte Banken (wie z.B. die Silicon Valley Bank, die seit 2018 auch in Deutschland vertreten ist) und Fondsanbieter, die in der Lage sind, die Geschäftsmodelle von Wachstumsunternehmen zu kalkulieren und diesen Unternehmen Kreditangebote zu unterbreiten. Diese Kreditangebote unterscheiden sich signifikant von einem klassischen Bankdarlehen und haben sich deshalb als eigenes Finanzierungsinstrument herausgebildet.

Hohe Komplexität in den Verträgen

Die Vertragsdokumentation von Venture Loans ist in der Regel sehr umfangreich und spiegelt die Komplexität der Vertragsbeziehungen wider. Der Grund: VL-Geber sichern sich über umfangreiche vertragliche Regelungen ab und beteiligen sich am Wachstum des Unternehmens. Regelmäßig werden folgende Inhalte vereinbart:

Laufzeit: In der Regel beträgt die Laufzeit des Darlehens 12 – 48 Monate.

Zinssatz: Die Höhe des Zinssatzes variiert. Bei professionellen, nicht-staatlichen VL-Gebern beläuft sich der Zins regelmäßig auf 8-15% p.a.

Kosten: Es lohnt ein Blick ins Kleingedruckte, um zu prüfen, welche Einmalkosten aufgerufen werden (Bearbeitungsentgelt, Abschlussgebühr, Kosten für Rechtsberatung etc.)

Equity Kicker: VL-Geber verlangen in der Regel eine Beteiligung an der Wertsteigerung des Start-ups, wenn es bei diesem zu einem Exit kommt. Teilweise können diese als Bezugsrecht ausgestaltet sein, teilweise als Anspruch auf eine prozentuale Beteiligung am Exit-Erlös (in diesem Fall unterliegt der Equity-Kicker also keiner Verwässerung bei zukünftigen Finanzierungsrunden).

Finanzierungsrecht: VL-Geber lassen sich teilweise das Recht einräumen, an zukünftigen Finanzierungsrunden teilzunehmen.

Sicherheiten: VL-Geber lassen sich ihr Darlehen in der Regel umfangreich besichern (z.B. durch Abtretung von Forderungen und Übertragung von IP). Sie verlangen, dass sie gegenüber anderen Kapitalgebern vorranging bedient werden.

Kontrollrechte: VL-Geber sichern sich häufig ein Gastrecht im Beirat des Start-ups und nehmen teilweise über Kontrollrechte auch auf die operative Entwicklung der Gesellschaft Einfluss.

Garantien: Wie bei einer klassischen Finanzierungsrunde muss das Unternehmen in der Regel Garantien abgeben. Darüber hinaus werden zum Teil Covenants (Zusicherungen) vereinbart, bei deren Nichterreichen die Kündigung des Vertrages droht.

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