Zwei Start-ups mit ähnlichen Zielen, doch mit völlig unterschiedlichen Konzepten. Anders als Locafox hat Atalanda per Crowdfunding eine sechsstellige Summe eingesammelt. An fehlenden Interessenten habe es nicht gelegen, sagt Heimbold. „Wir haben uns bewusst gegen klassische Investoren entschieden, weil damit immer auch der Druck entsteht, sofort Ergebnisse liefern zu müssen. Aber E-Commerce und lokale Onlinemarktplätze sind noch am Anfang und niemand kann die Entwicklungen der nächsten Jahre absehen. Daher möchten wir lieber im „Experimentier-Modus“ bleiben.“ Und experimentieren tun noch sehr viel mehr Start-ups in diesem Bereich. Ob „HierBeiDir“ in Düsseldorf, „kauf.in“ in Essen oder „ Simply Local“, die sich nach der gescheiterten bundesweiten Etablierung 2014 jetzt neu aufstellen – viele wollen etwas vom Kuchen abhaben, obwohl noch keiner wirklich weiß, ob er eine Sahnetorte oder doch eher ein trockenes Törtchen ist.

Klar ist aber, dass der lokale Einzelhandel Schwierigkeiten hat, neben dem großen Online-Angebot weiter bestehen zu können. Das ist der Grund für den Hype um die Onlinemarktplätze und zugleich ihre größte Hürde. Denn viele Händler holen jetzt Versäumnisse von Jahren und Jahrzehnten nach, sagt E-Commerce-Spezialist Immo Fietz. „Wir beraten mit unserer Agentur Einzelhändler in Sachen Online-Strategie. Leider sind sie dabei wirklich im Stich gelassen worden. Händler, Kommunen und E-Commerce-Agenturen müssen jetzt zusammenarbeiten, um das wieder auszugleichen und die Innenstädte zu erhalten.“ Lokale Marktplätze werden dabei seiner Meinung nach eine entscheidende Rolle spielen. Die Start-up-Szene bewertet er nur vorsichtig. „Große Unternehmen wie Locafox können in großen Städten funktionieren, doch kleine Städte sind für sie unattraktiv. Da hat Atalanda schon einen interessanteren Ansatz geliefert, weil sie individueller auf die Kommune eingehen. Eines vernachlässigen bisher aber alle Anbieter: Ein Marktplatz dient nicht nur dem Wareneinkauf, sondern vor allem auch dem Informationsaustausch.“

Laut Fietz müssten die Marktplätze Seiten sein, auf denen Besucher Informationen über die Stadt, Angebote, Nachrichten und Produkte finden. Diese Ansicht lässt sich dadurch stützen, dass viele der Großinvestoren in Onlinemarktplätze aktuell Verlagshäuser sind. Ob das die Zukunft ist und wie sich die vielen unterschiedlichen Interessen auf die Start-ups auswirken, wird sich sehr bald zeigen. Thilo Grösch prognostiziert, dass sich die Start-up-Szene in diesem Bereich schon 2016 deutlich lichten wird.