Die Locomore-Tickets gibt es nur im Netz, am Telefon, in einigen Reisebüros sowie (zum Höchstpreis) direkt im Zug, denn die Deutsche Bahn hat den Vertrieb über ihre Kundenzentren an den Bahnhöfen oder über das Portal bahn.de abgelehnt. „Das hätte man sicher auch anders lösen können“, kritisiert Ladewig. Die DB hält dagegen. Dieser Vertriebsweg sei für einen erfolgreichen Markteintritt nicht mehr notwendig, sagt ein Sprecher. In den DB-Fahrplanmedien sollen die neuen Verbindungen aber „diskriminierungsfrei“ enthalten sein.

Das orange Preissystem soll deutlich einfacher ausfallen als bei der Bahn. Der Tarif richtet sich nach der Nachfrage, so dass ein Standard-Ticket für die ganze Strecke Stuttgart-Berlin je nach Auslastung und Kaufzeitpunkt zwischen 22 und 65 Euro kosten kann. „Über alle Kanäle gibt es zum gleichen Zeitpunkt nur einen Preis“, verspricht Gründer Ladewig. Und der soll immer unterhalb des Bahncard-50-Flexpreises der DB liegen.

Locomore verzichtet zwar offiziell auf eine Klasseneinteilung, bietet aber innerhalb des Business-Tarifs (38-98 Euro/Stuttgart-Berlin) mehr Platz sowie kostenfreie Snacks, Getränke und Zeitungen. Wer nicht arbeiten möchte, kann sich im Zug nach dem Vorbild der sozialen Netzwerke mit Gleichgesinnten zusammenzufinden, um Skat zu spielen oder Englisch zu sprechen. Im Buchungssystem sollen wechselnde Themen angeboten werden. Auch für Ruhesuchende, Familien und Radfahrer gibt es besondere Angebote.

Offiziell gibt man sich beim staatlichen Bahn-Riesen gelassen. Man sei Konkurrenz auf der Schiene schließlich gewohnt, heißt es in der Berliner Zentrale ohne näheren Kommentar. Allerdings fast nur im Regionalverkehr: Bei Fernzügen ist Locomore aktuell erst der zweite private Herausforderer nach dem HKX zwischen Hamburg und Köln. Dieser startete 2007 und wurde bislang nicht erweitert. Privater Fernverkehr ist ein schwieriges Geschäft: Erst vor zwei Jahren gab die Firma Interconnex ihre Linie Warnemünde-Leipzig aus Kostengründen auf.

Der einst auch am HKX beteiligte Verkehrsexperte Ladewig hat für Locomore aber weiter reichende Pläne. Bei der Vergabe der Rahmenfahrpläne im deutschen Bahnnetz hat sich das Unternehmen bis 2020 weitere Trassen gesichert, die München, Köln-Bonn, das Ruhrgebiet und Binz auf Rügen in das kleine Netz einbinden würden. Aber erst einmal muss der Pilotzug Geld einfahren, denn einen duldsamen Investor haben die Bahn-Herausforderer nicht im Rücken.