Das Start-up will komplizierte Kreditvergaben einfacher gestalten. Die Deutsche Kreditbank gehört zu neuen Investoren in einer 20-Millionen-Euro-Runde.

Kapital für ein neues Schulgebäude, neue Müllfahrzeuge oder Straßenbahnen: Zur Finanzierung solcher Projekte müssen viele Städte, Gemeinden oder auch Stadtwerke Kredite aufnehmen. Das Züricher Start-up Loanboox, das auch mit einem eigenen Team in Köln sitzt, hat eine Plattform für die Vergabe sogenannter Kommunalkredite aufgebaut. In einer Wachstumsfinanzierung hat Loanboox nun 20 Millionen Euro eingesammelt, wie das Start-up heute mitteilte.

Das Geld stammt von einer Vielzahl von Investoren. Neben einer großen Reihe privater Geldgeber sind mit der Deutschen Kreditbank (DKB) und der liechtensteinischen LGT Group erstmals zwei strategische Gesellschafter mit an Bord. Beide hätten jedoch nur einen Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich, betonte Loanboox-Gründer Stefan Mühlemann in einer Pressekonferenz: „Die Unabhängigkeit ist ein wichtiges Thema für uns – und sie konnte in der Runde gewahrt bleiben.“

Denn die Banken – die DKB ist etwa selbst im Bereich der Kommunalfinanzierungen aktiv – stellen eine Seite des Marktplatzes, den Loanboox anbietet. Öffentlich-rechtliche Kreditnehmer skizzieren die benötigte Summe und die gewünschten Rückzahlungsmodalitäten, Finanzinstitute können sich dann mit Kreditangeboten bei den Kommunen melden.

Geringe Margen, hohe Standardisierung

Die eigentliche Kreditvergabe läuft dann direkt zwischen den Vertragspartnern ab, Loanboox verdient über eine Provisionszahlung der Kommunen. Nach Angaben des Start-ups ist das Geschäft trotz hoher möglicher Summen hoch standardisiert und bringt Banken nur geringe Margen. Eine digitale Plattform kann so die Effizienz erhöhen. Seit dem Start der Plattform vor gut zwei Jahren seien Finanzierungsanfragen in Höhe von 17,5 Milliarden Euro gestellt worden. Aus etwa jeder zweiten Anfrage entstand auch eine Transaktion.

Seit etwa eineinhalb Jahren ist das Start-up auch in Deutschland aktiv, Österreich und Frankreich sind später dazugekommen. Hierzulande ist etwa das Fintech Commnex ein Konkurrent in dem hochspezialisierten Marktsegment. Bis 2021, so die ehrgeizigen Pläne von Loanboox mit aktuell 40 Mitarbeitern, will man in ganz Europa vertreten sein. Die aktuelle Finanzierungsrunde soll laut Businessplan auch bis zu dem Zeitpunkt reichen – das Start-up will dann auch die Profitabilität erreichen.

Bewertung liegt bei 110 Millionen Euro

Auch nach der Finanzierungsrunde zu einer Bewertung von 110 Millionen Euro lägen ungefähr 70 Prozent der Anteile weiter bei Gründern und Mitarbeitern, heißt es von Loanboox. Zu den privaten Investoren aus Deutschland gehören unter anderem Beratungs-Gründer Roland Berger, Multi-Aufsichtsrat Gerd Häusler sowie das Family Office Mutschler Ventures.

Die Banken sollen neben dem Geld auch Know-how mitbringen – etwa zu möglichen neuen Dienstleistungen oder Finanzprodukten auf der Plattform. „Die Plattformökonomie wird in Zukunft auch das traditionelle Finanzierungsgeschäft mit der Öffentlichen Hand in Europa verändern und daran wollen wir frühzeitig partizipieren“, sagt Thomas Jebsen, Vorstandsmitglied der DKB. Auch auf anderen Digitalisierungsbaustellen ist das Finanzinstitut aktiv Im Herbst 2018 schlüpfte etwa das gesamte Team der zuvor insolvent gegangenen Zahlungs-App Cringle bei der Bank unter.