Self-Service-Apartments statt Room-Service: Mit diesem Modell setzt das Münchener Start-up auf schnelles Wachstum. Risikokapitalgeber glauben an das Skalierungspotenzial in der traditionellen Branche. 

Und sie reisen doch (noch): Immerhin 5000 Gäste pro Monat zählt das Hospitality-Start-up Limehome aktuell. Die beziehen die Apartments des jungen Unternehmens in aktuell 45 Standorten in Deutschland – von Aachen bis Zwickau – und Österreich. Und haben dabei keinen Kontakt zu Mitarbeitern: Die Buchung erfolgt digital, der Check-in kontaktlos. Ein Hotelrestaurant gibt es nicht, dafür aber kleine Küchenzeilen in den überall gleich ausgestatteten Zimmern.

Auch in den Monaten der Kontaktbeschränkungen habe man nach einem kurzen Einbruch schnell wieder 80 Prozent Auslastung erreicht, sagt Co-Gründer Josef Vollmayr: „Unser Produkt ist wie für die aktuelle Phase gemacht. Das wird sicher nicht immer so sein, aber noch eine ganze Weile anhalten.“ Die Konkurrenz hat dagegen stark zu kämpfen: „Viele Betriebe haben keine große Kapitaldecke – das wird leider zu einem sehr großen Hotelsterben führen“, sagt Vollmayr.

Das Start-up will schnell in viele Städte wachsen

Das Start-up ist jedoch überzeugt, auch nach der Pandemie eine erfolgreiche Nische auf dem Unterbringungs-Markt zu besetzen. Durch den Verzicht auf Personal und Lobbys will man eine hohe Effizienz pro angemieteten Quadratmeter erreichen. Im Gegensatz zu Hotelketten wie Motel One oder B&B, die ebenfalls unter den ausbleibenden Gästen während der Corona-Krise stark leiden, setzt man auf eher kleinere Häuser: „Unser Sweetspot liegt zwischen zehn und 30 Zimmern“, sagt Vollmayr.

In der in weiten Teilen noch traditionell aufgestellten Hotellerie will Limehome nun Start-up-Metriken anwenden. Zum einen geht es um zügiges Wachstum: 35 weitere Standorte seien bereits in Vorbereitung, heißt es von dem zwei Jahre alten Unternehmen. Daneben sucht Limehome breitflächig nach günstigen Gelegenheiten „Wir suchen in 400 Städten in Deutschland und Österreich und 100 in Spanien“, sagt Vollmayr, der das Start-up mit Lars Stäbe gegründet hat. Gerade in kleineren Städten fänden sich zügiger Vermieter, die auch mal ehemalige Büroflächen in Apartments umwandeln wollen. Aber auch in Premium-Destinationen wie München oder Berlin sollen bald Limehome-Dependancen entstehen.

Zum anderen will das Start-up viel Kraft in die Technologieplattform stecken, die bei der Skalierung helfen soll. Da geht es um ein Buchungssystem, aber auch um einen Kalkulator für passende Preise und Umsatzprognosen. Zudem erfolgt die Planung der Zimmer digital – ist eine Einrichtung am Computer abgeschlossen, geht automatisch die Bestellung für die notwendige Einrichtung raus. 100 Mitarbeiter beschäftigt Limehome aktuell.

Zehn Millionen Euro als Nachschlag von Investoren

Die Wachstumspläne machen auch Risikokapitalgeber neugierig. In diesen Tagen gab Limehome bekannt, dass Holtzbrinck Ventures, Lakestar und Picus Capital sich mit weiteren zehn Millionen Euro beteiligt. Das erweitert die eigentlich im Februar abgeschlossene Series-A-Finanzierungsrunde auf nun insgesamt 31 Millionen Euro. Mit einem sehr ähnlichen Konzept – hohe Einrichtungsstandards, aber kaum Personal – ist die Cosi Group unterwegs. Die listet aktuell in acht europäischen Städten Unterkünfte auf.

Andere Start-ups aus Deutschland oder den Nachbarländern setzen ebenfalls auf eine Digitalisierung der Prozesse – aber bieten diese Dienstleistung bestehenden Betrieben an. Dazu zählen etwa Anbieter wie Betterspace oder Hotelbird, die unter anderem Software zum kontaktlosen Check-in entwickeln. Andere Start-ups wie RoomPriceGenie oder RateBoard wollen Hotels helfen, ihre Auslastung etwa durch eine dynamische Preisgestaltung zu verbessern. Bidroom aus den Niederlanden positioniert sich als Gegenmodell zu Buchungsplattformen wie Booking.com oder HRS.

Über diese Portale kommen aktuell die meisten Gäste von Limehome. Für jede Buchung verlangen die Seiten jedoch üppige Provisionen – und stehen daher immer wieder in der Kritik. Limehome-Mitgründer Vollmayr weiß um die Vor- und Nachteile für sein Start-up: „Sie machen es relativ einfach für neue Marktteilnehmer, aber langfristig haben wir die Herausforderung, eine eigene Marktpräsenz und Marke aufzubauen.“