Unter neuem Namen will das Mietright-Team weitere Portale für Rechtsberatung auf den Markt bringen. Im Hintergrund schwelt ein Streit mit der Rechtsanwaltskammer.

Das Berliner Start-up Mietright hinter den Online-Rechtsberatungsplattformen Wenigermiete.de und Mehrabfindung.de bündelt seine Angebote unter einem neuen Firmennamen: Als Lexfox will das sogenannte Legaltech künftig weitere Rechtsgebiete erschließen. Welche neuen Portale konkret dazukommen sollen, hält Gründer und Geschäftsführer Daniel Halmer auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer noch offen.

Über drei Plattformen bietet Lexfox derzeit Rechtsdienstleistungen für Verbraucher an: Seit Dezember ist das Start-up mit Weniger-Internetkosten.de online und setzt über die Seite Entschädigungen oder eine Auflösung des Vertrags für Internetkunden durch. Mitte 2018 hat das Start-up damit begonnen, Abfindungen einzufordern für gekündigte Abeitnehmer. Bereits seit 2017 besteht die Plattform Wenigermiete.de, über die Verbraucher eine Mieterhöhung oder Renovierungskosten abwehren lassen können. Die Kunden zahlen bei Erfolg ein Honorar oder eine Bearbeitungsgebühr an Lexfox.

Um künftig schneller neue Rechtsportale aufsetzen zu können, hat das Start-up nach eigenen Angaben eine Software entwickelt, die den Mitarbeitern unter die Arme greift: Über ein Baukastenprinzip sollen einerseits Mitarbeiter ohne tiefgreifendes Tech-Know-how neue Plattformen einrichten können – um die Programmierer bei Lexfox zu entlasten. „Wir wollen diese Software im Haus halten und damit möglichst viele zusätzliche, eigene Portale auf die Straße bringen“, sagt Geschäftsführer Daniel Halmer zu WirtschaftsWoche Gründer. „Jeder Mensch hat zahlreiche Ansprüche, die er gerade nicht einfordert. Wir wollen diese Märkte angehen und die Verbraucherplattform für Rechtsansprüche werden“, so Halmer.

Software-Hilfe statt Jura-Studium

Zweitens soll die Software von Lexfox die Bearbeitung von Fällen vereinfachen und beschleunigen. So gibt das Computerprogramm den zuständigen Mitarbeitern eine Anleitung, welche juristischen Schritte zu welchem Zeitpunkt zu erledigen sind: per Klick wird zum Beispiel ein Anwaltsschreiben generiert. Sind die Fälle weiter fortgeschritten und es müssen Antworten von Rechtsanwälten analysiert werden, setzt Lexfox auf Machine Learning. Dabei wird ein Algorithmus darauf trainiert, Textbausteine zu erkennen und eine Handlungsempfehlung abzugeben.

Im Rechtsbereich funktioniere das bereits gut, so Lexfox-Gründer Halmer. Denn: Nicht nur die Fälle seien häufig identisch, auch die sehr standardisierte juristische Sprache folge einheitlichen Mustern. Der verstärkte Einsatz von Software bringt dem Legaltech Vorteile: Die Fallbearbeiter benötigen nur wenige juristische Vorkenntnisse und können schneller eingelernt werden. Einen Angriff auf die etablierten Rechtsanwälte sieht Halmer nicht, da die Kanzeleien ihr Geld mit komplexen, langwierigen Fällen mit hohem Streitwert verdienten – etwa im Wirtschafts- oder Familienrecht.

Weitere Konflikte mit Anwälten drohen

Der Rechtsanwaltskammer (RAK) Berlin ist der Vorstoß des Legaltechs trotzdem ein Dorn im Auge. Es läuft ein Rechtsstreit vor dem Landgericht Berlin über das Geschäftsmodell und die Regulierung des Start-ups. Im Fokus steht das Portal Wenigermiete.de. Lexfox darf sich nicht mehr als Rechtsdienstleistungsgesellschaft bezeichnen, formell fällt die Firma mit derzeit 25 Mitarbeitern unter Inkassotätigkeit. Ende Januar hat Lexfox vor dem Landgericht bereits einen Teilsieg erreicht: Die Richter sahen keinen Verstoß gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz oder sonstige unlautere Tätigkeiten. Die Rechtsanwaltskammer ist jedoch bereits in Berufung gegangen.

Lexfox-Gründer Daniel Halmer geht davon aus, dass Rechtsstreit auch bei neuen Portalen droht: „Die meisten relevanten Legaltechs hatten schon Probleme mit Rechtsanwaltskammern oder Verbraucherzentralen“, so der 42-jährige Geschäftsführer. Sorgen um die Reputation seiner Firma macht er sich aber nicht. Eher helfe die Aufmerksamkeit, Licht auf die regulatorischen Probleme von Legaltechs zu werfen. „Der Fall zu Wenigermiete.de wird irgendwann beim Bundesgerichtshof landen, aber vielleicht haben wir bis dahin schon ein Legaltech-Gesetz und alle Entscheidungen bis dahin sind Makulatur“, so Halmer.