Nach drei Jahren stellt die Gründerin von Let’s Yalla ihre App für Last-Minute-Flüge ein. Dabei kann sie sich eine Zukunft für ihre Geschäftsidee vorstellen.

Das deutsch-israelische Reise-Start-up hinter der Marke Let’s Yalla steht vor der Auflösung. Die App für Last-Minute-Flüge werde ab dem 20. Mai keine neuen Tickets mehr anzeigen, weil Verhandlungen über weitere Kooperationen mit Airlines gescheitert seien, erklärte Gründerin Katharina Seehuber heute im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Es sei nicht mehr möglich, ein wachsendes Ticketangebot in der App sicherzustellen. Die Unternehmerin spricht von einer Vernunftentscheidung und hofft nun auf eine Übernahme.

Über Let’s Yalla lassen sich noch bis zum angekündigten Ende Restplatztickets für Flüge innerhalb Europas kaufen. Das Prinzip: Nutzer buchen am Abend offene Plätze für eine Reise am nächsten Tag. Damit verspricht das Start-up mit Sitz in München günstigere Preise. Allerdings sind die Fluggesellschaften laut der Gründerin inzwischen nicht mehr bereit, entsprechende Tarife anzubieten – und verweisen darauf, dass diese nur noch auf internen Verkaufskanälen gewährt werden. Seehuber sieht daher keine Chance, aus eigener Kraft weiter zu wachsen.

Werben um Interessenten

Die Geschäftsidee dagegen unter dem Dach einer Fluggesellschaft oder eines Reiseanbieters weiterzuführen, hält sie für eine realistische Option. „Die User-Seite hat wunderbar funktioniert, außerdem gab es einen sehr erfolgreichen Pilotversuch mit Lufthansa“, sagte Seehuber zu WirtschaftsWoche Gründer. „Deshalb denken wir, dass man mit der App auf jeden Fall weitermachen sollte.“ Aktuell zählt die Firma nach eigenen Angaben mehr als 100.000 aktive Nutzer.

Auch nach dem Ende der App sollen Rückflüge wie geplant stattfinden, zudem werde der Kundenservice weiter erreichbar sein. Verhandlungen über eine Übernahme seien angelaufen, eine Lösung zeichne sich jedoch noch nicht ab. Sollten die Gespräche mit Interessenten bis Ende Mai ohne Ergebnis bleiben, will Seehuber die Firma auflösen. Eine Insolvenz sei nicht in Sicht.

Start-up ohne Mitarbeiter

Online ist die App für Android- und iOS-Betriebssysteme seit zwei Jahren, die Gesellschaft hinter der Marke Let’s Yalla hat Seehuber 2016 mit Mitgründer Ori Hagai aufgebaut. Erster Kooperationspartner war die inzwischen gescheiterte Fluglinie Air Berlin. In der Spitze bestand das Team aus sieben Mitarbeitern, inzwischen sind alle Stellen abgebaut. Seehuber selbst will sich nach dem Aus auf ihre Promotion in jüdischer Geschichte konzentrieren und plant vorerst keinen Neustart mit einem eigenen Unternehmen.

Aufgeben musste zuletzt auch der Berliner Bezahldienst Cringle, der bis Oktober vergangenen Jahres vergeblich um Investoren warb. Eine Insolvenz traf im November das Rostocker Start-up Million Hunters, das an einem Peilsender gegen Fahrrad-Diebstahl arbeitete. In Berlin rutschte der Kochboxen-Anbieter Kochhaus ebenfalls in die Pleite, wie Ende März bekannt wurde.