Scheitern und dazu stehen, das macht sympathisch. Auch Holler und Plötz traten schon als Redner auf einer ihrer „Fuck Up Nights“ auf. 2005 mieteten sie im Hamburger Stadtteil Altona ein 250 Quadratmeter großes Gebäude an, um dort einen der ersten Coworking-Spaces Deutschlands zu gründen. Zu diesem Zeitpunkt waren Holler und Plötz bereits Geschäftsführer und Gründer einer Werbeagentur. Eines der Büros wollten sie selbst für sich nutzen, die restlichen 19 vermieten. Sie nahmen eine fünfstellige Summe in die Hand und investierten: Parkettboden, IP-Telefonie, Laser-Drucker, eine Standleitung ins Internet, sogar ein kleines Café bauten sie ein.

Doch das Geschäftsmodell ging nicht auf: Die Hamburger zeigten wenig Interesse am Konzept des gemeinsamen Büros. Ein Mieter hörte sogar auf zu zahlen. Holler und Plötz versuchten es mit Reden, monatelang, dann war die Geduld am Ende. Sie schmissen seine Sachen aus dem Büro, verwehrten ihm den Zugang zum Gebäude. Der Mieter klagte auf Schadensersatz. Vor Gericht einigten sich beide Parteien auf einen Vergleich – und Holler und Plötz blieben auf den Kosten sitzen.

Immer tiefer in die roten Zahlen

Auch danach läuft das Geschäft schlecht, die Mieter nörgeln herum: kein Papier im Drucker, keine sauberen Tassen im Schrank. Von den Synergien, die heutige Betreiber von Gemeinschaftsbüros gerne propagieren, ist damals nichts zu spüren. Dafür fallen im Büro immer mehr Aufgaben an, um die sich Holler und Plötz kümmern müssen. Ihre Arbeit in der Agentur leidet darunter. Nach nicht einmal zwei Jahren ziehen sie in ein günstigeres Büro um. Teppichboden statt Parkett. 2009 folgt der nächste Umzug, wenige Kilometer weiter in ein noch kleineres Gebäude. Den Leasingvertrag für den Drucker müssen sie kündigen. Und noch immer schreibt das Gemeinschaftsbüro rote Zahlen.

2010 ziehen die Brüder die Notbremse. „Ohne unsere Agentur im Rücken, wäre das Projekt eine finanzielle Katastrophe für uns geworden“, sagt Plötz heute. So aber seien sie unterm Strich bei Null herausgekommen.