Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten heute die Gründer von Legal OS, Charlotte Kufus, Jacob Jones und Lilian Breidenbach an. Ihre Software hilft Rechtsabteilungen, effizienter zu maßgeschneiderten Verträgen zu gelangen. Wie urteilt Investorin Anja Rath?

Lilian, Charlotte, Jacob, ihr habt eine Minute im Fahrstuhl mit einem möglichen Geldgeber. Wie lautet euer Elevator Pitch?
Bisher erstellen Anwälte Verträge meist mit Word. Sie kopieren Textbausteine zusammen, fügen Daten ein. Wir haben eine Plattform entwickelt, mit der Kanzleien und Rechtsabteilungen maßgeschneiderte Verträge automatisiert erstellen und digital verwalten können. Der Nutzer beantwortet Fragen, bei einfacheren Verträgen kann das sogar ein Laie. Die Software erstellt aus dem Wissen, das in vorhandenen Vertragsvorlagen steckt, einen rechtskonformen Text. Bisher sind mehr als 90 Prozent der juristischen Arbeit manuell und dadurch kaum skalierbar. Das macht sie extrem teuer. Dabei eignet sich das Recht als regelbasiertes System sehr gut für Automatisierung.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Wir selbst sind keine Juristen. Der Anstoß für Legal OS kam 2017 von Lilians Vater, der Jura-Professor ist und schon lange an der Industrialisierung von rechtlichen Prozessen forscht.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Rechtsabteilungen und Kanzleien können die Software abonnieren. Auch unterstützen wir mit eigenen Juristen Kunden dabei, ihre Vertragstexte für die Automatisierung vorzubereiten, wofür die dann extra zahlen.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …kompetenzbasiert: Die Person, die am besten geeignet ist, eine Entscheidung zu treffen, trifft sie und trägt die Verantwortung.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Unsere Mitarbeiter kommen aus verschiedenen Ländern, etwa aus Japan und Kanada. Im Team sprechen wir Englisch, und wir sind je zur Hälfte Männer und Frauen.

Was war euer größter Rückschlag?
Da hatten wir bisher nur kleine und viel mehr Erfolgserlebnisse.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann werden Verträge nur noch digital erstellt, und wir sind die Vorreiter. Auch sind wir dann international aktiv, etwa in den USA und Großbritannien.

Fakten zum Start-up

Kunden: Konzerne wie Bombardier Transportation und Kanzleien wie BMH Bräutigam
Finanzierung: Wagniskapitalgeber, Privatinvestoren, Fördermittel
Gründung: 2018 in Berlin
Mitarbeiter: 30

Würde der Profi investieren?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 4/5
Timing: 3/5

Urteil: „Schon einige Gründer haben sich daran versucht, Basisarbeit im Rechtswesen zu automatisieren. Das steigert die Effizienz und spart auch Kosten.“
Anja Rath, Managing Partner bei Cooperativa Venture und ehemalige Geschäftsführerin von Brandenburg Ventures

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