Emmas Enkel verknüpft beide Traditionen – die des Online-Kaufs und den stationären Handel mit eigenen Länden. Kunden können vor Ort oder per iPad ihre Produkte bestellen und in den Filialen in Düsseldorf, Berlin oder Essen warten, bis ihre Einkaufswünsche zusammengestellt sind oder direkt online bestellen – und sich die Ware liefern lassen. „Wir wollten etwas für verschiedene Generationen tun: Die älteren Menschen, denen das persönliche Gespräch und das Packen der Einkaufstüte noch wichtig ist, und die jüngeren Menschen, die am liebsten im Internet bestellen – und sich alles liefern lassen möchten.“ Das Konzept hat Erfolg: Vor Kurzem hat sich der Handelsriese Metro mit 15 Prozent an dem jungen Nahversorger beteiligt.

Die Plattform MyTime setzt auf ein komplettes Onlinekonzept. 34.000 Produkte finden sich bei dem Händler, „die größte Sortimentsvielfalt“, wie MyTime auf Anfrage mitteilt. Weil MyTime zu Bünting gehört, einem Unternehmen, das bereits im Großhandel tätig ist, hat das Portal auch einen direkten Kontakt zu Lieferanten, von denen die Lebensmittel eingekauft werden. Wer heute bestellt, bekommt am nächsten Tag seinen Einkauf.

Das Portal selbst sieht sich damit nicht im Hintertreffen mit Anbietern, die noch am selben Tag oder sogar binnen weniger Stunden liefern. „In Köln und im Ruhrgebiet liefern wir sogar am selben Tag mit unserem „Same Day“-Lieferservice“, heißt es von dem Unternehmen. Wichtiger als die Lieferung in kurzer Zeit sei für den Kunden, dass nach Wunschtermin geliefert werden, etwa nach dem Feierabend.

Auch der Start-up-Inkubator Rocket Internet hat den Bereich für sich entdeckt und setzt voll auf den Markt. Mit Hello Fresh, Shopwings oder Bonativo beteiligt er sich gleich an mehreren Geschäftsmodellen. Erst vor kurzem investierte das Unternehmen der Samwer-Brüder auch in den Lieferdienst Delivery Hero.

Vorteil: Supermärkte

Ein Problem gibt es für die Start-ups jedoch: die Konkurrenz durch die stationären Händler. „Ein Hindernis besteht darin, dass viele entweder stationär einkaufen oder online, aber fast nie eine Mischung versuchen,“ sagt Benjamin Büse, einer der Gründer des Düsseldorf Start-up Emmas Enkel. Denn dass sich die Lebensmittelbestellung online noch nicht durchgesetzt hat, liegt auch an Anzahl der Geschäfte hierzulande: „Der Lebensmitteleinzelhandel hat nirgendwo auf der Welt eine so hohe Filialdichte wie in Deutschland“, sagt Accenture-Experte Täuber.

Zudem hätten die Supermärkte wie Rewe und Tengelmann „den Riesenvorteil, dass sie bereits eine langjährige Beziehung zum Kunden haben“. Sobald sie also ihre Logistik optimiert und auf die individuellen Kundenwünsche angepasst haben, könne es für Start-ups schwierig werden, so Täuber. „Die wesentlichen Gründe, warum der Online-Vertrieb von Lebensmitteln für die Kunden und somit für die Anbieter interessant ist, sind geänderte Arbeitszeitmodelle und ein anderes Freizeitverhalten,“ sagt Hendrik Schröder, Professor für Marketing und Handel an der Universität Duisburg-Essen. Doch an die passen sich auch die Einzelhändler beispielsweise mit längeren Öffnungszeiten an.

Anders als für andere Start-ups geht es für Fairmondo nicht darum, Marktführer zu werden. „Wir wollen nicht den Markt anführen, sondern ein nachhaltiges Konzept anbieten“, sagt Weth. Deshalb liefert das Unternehmen seine Lebensmittel per Fahrrad aus – erstmal nur in Berlin. Die Box lässt sich aber deutschlandweit bestellen. In jeder Box soll zudem eine Geschichte liegen, wie sich die Box zusammensetzt. „Uns geht es um Transparenz“, sagt Weth. Schon jetzt sind bei Fairmondo mehr als 400 Bestellungen für Abonnements eingegangen. Bis zum Sommer sollen es 2.000 sein.