Damit die Teilnehmer die Idee von Lean Start-up verstehen, setzt Toma bei den Treffen neben Beratung, Austausch und Networking auch auf praktische Erfahrung. „Erfolgreiche Gründer wie Mark Zuckerburg oder Larry Page und Sergey Brin von Google sind mit ihren Ideen zuerst gescheitert und haben daraus gelernt“, sagt er. Durch die praktischen Übungen sollen die Teilnehmer im Schnellverfahren verstehen, ihre Geschäftsmodelle kritisch zu hinterfragen.

In einem Spiel für das Seminar treten die rund 20 Teilnehmer gegeneinander an, um in den USA nach Öl zu bohren. Nach ein paar Runden, in denen sie gebohrt und expandiert haben, zieht Toma Bilanz: Sie hätten immer weiter nach Öl gebohrt und mögliche Alternativen außer Acht gelassen. „Ihr wart in eure Geschäftsmodelle verliebt und habt dabei vergessen, auch andere Möglichkeiten auszuprobieren“, sagt Toma. Dies könnte ihnen auch mit ihren wirklichen Geschäftsideen passieren, warnt er. Das Problem an der Autoindustrie seien zum Beispiel nicht die Autos als Produkt, sondern die Geschäftsidee des Verkaufens, an die sich die Unternehmen seit mehr als 100 Jahren klammern. Das sollten die zukünftigen Gründer bei ihren Gründungen bedenken.

Nicht zu lange vorher planen

Toma kennt viele Gründer, die so wie Nau und seine Kommilitonen vorgehen. Die drei Designstudenten haben ihre Bachelorarbeit über ihre Gründeridee verfasst. Ihre App ist zwar noch nicht programmiert, aber bereits auf den Namen „Thangs“ getauft. Viele hundert Stunden stecken in der Idee. In der Theorie wissen sie alles über Markt, Zielgruppe und Geschäftsmodell. Nur was will der Markt wirklich? „Viele Gründer glauben zu sehr an den Erfolg ihres Start-ups, ohne verlässliche Daten dafür zu haben“, sagt Toma. Das ändere sich erst durch Erfahrung und die Nutzung von Methoden wie Lean Start-up, sagt er. Auch für Kamil Barbarski aus Köln ist so ein Vorgehen von Gründern typisch. Er ist Mitgründer der „MAK3it GmbH“ und Experte für die Methode Lean Start-up. Er hält regelmäßig Vorträge und organisiert Workshops im Gründerzentrum „Startplatz“ in Köln, die ähnlich wie die Stuttgarter funktionieren. Barbarski hat vor allem aus seinem ersten eigenen Start-up gelernt. Direkt nach dem BWL-Studium wollte er mit zwei Freunden eine mobile App für Taxen entwickeln.