Die DSGVO hat viele Kritiker, doch diente in den USA als Vorbild für eine ähnliche  Verordnung. Ein Berliner Start-up nutzt das als Chance zur Expansion.

Rund eineinhalb Jahre ist es her, seit die europäische Datenschutz-Grundverordnung in Kraft getreten ist. Nicht nur die Kritik war von Anfang an groß – die Verordnung sei handwerklich schlecht gemacht, es gäbe zu viele unterschiedliche nationalen Umsetzungsnormen. Viele Firmen hatten auch Angst, denn Brüssel drohte bei mangelnder Umsetzung mit empfindlichen Bußgeldern in Höhe von bis zu 20 Millionen Euro.

Für das Berliner Start-up Lawpilots dagegen war die Einführung der DSGVO eine Chance: Bereits seit 2017 schult das Unternehmen Firmen mit Hilfe von Online-Kursen in den Bereichen Datenschutz, Compliance, Arbeitsschutz und Informationssicherheit. Die Einführung der Datenschutz-Grundverordnung hat dem Geschäft noch mal ordentlich Aufschwung gebracht. Eigenen Angaben zufolge nutzen mittlerweile mehr als 850 Unternehmen in 22 Ländern das Angebot, darunter Kommunen wie München und Gera, Firmen wie Alnatura, WestLotto, Mazda und Volkswagen.

Hoffen auf die kalifornischen Gesetze

Wie WirtschaftsWoche Gründer exklusiv erfuhr, überquert das von Philipp von Bülow, Dieter Kerkfeld, Simone Rosenthal und Kathrin Schürmann gegründete Start-up nun auch den Atlantik. Ab Januar 2020 wird es mit Hilfe seiner E-Learning-Kurse auch amerikanische Unternehmen in Sachen Datenschutz fit machen. An der Westküste des Landes tritt zum Anfang des kommenden Jahres mit dem California Consumer Privacy Act (CCPA) das erste an die DSGVO angelehnte amerikanische Datenschutzgesetz in Kraft. Auch das Berliner Start-up Usercentrics, das Einwilligungen der Kunden rechtssicher verarbeitet, ist mit dieser Mission in den USA unterwegs.

Unterstützt wird die Expansion durch den vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten German Accelerator, der den Teilnehmern des Programms nicht nur kostenfreie Büroflächen zur Verfügung stellt, sondern vor Ort auch mit Investoren und potenziellen Kunden in Kontakt bringt.

Exportschlager Datenschutz

Einige Kunden haben von Bülow und Kerkfeld allerdings schon vor ihrem Abflug in die USA gefunden. Konkrete Namen wollen die beiden Gründer nicht nennen, nur so viel: „Unabhängig von der Branche müssen alle großen Unternehmen ihre Mitarbeiter schulen und zwar nicht nur diejenigen, die in Kalifornien ansässig sind, sondern auch die, die Daten von kalifornischen Kunden verarbeiten — weitere Bundesstaaten werden also folgen“, so Philipp von Bülow.

Dass ein deutsches Start-up diese Aufgabe übernimmt, erscheint ihm nur plausibel: „Datenschutz ‘made in Germany‘ ist in Amerika ein Qualitätssiegel. Nicht umsonst loben die Konzernchefs wie Tim Cook und Mark Zuckerberg die DSGVO und sehen sie als Vorbild für globalen Datenschutz.“