Wie ist Ihr Start-up aus der Sackgasse gekommen?
Wir haben uns 2014 strategisch neu ausgerichtet. Ab dann haben wir eine Plattform für alle Anbieter von Inhalten gebaut, statt auf die Verlage zu warten. 2014 war der Blogger Richard Gutjahr unser erster Kunde. Heute positionieren wir uns als Payment-Infrastrukturanbieter. Und wir arbeiten mit einer Bank im Hintergrund, die das Transaktionsgeschäft erbringt. Dadurch können wir uns auf Technologie und Nutzererfahrung fokussieren.

Woher kommt das Geld?
Mittlerweile hat LaterPay eine zweistellige Millionensumme eingesammelt, ich halte einen Minderheitsanteil. Bei uns sind ausschließlich Privatleute und Family Offices investiert, keine Unternehmen und auch keine Venture Capitalists. Unsere Investoren sind Leute, die LaterPay gut verstehen.

Welche sind das?
Unter anderem ehemalige Führungskräfte von Orange, Sunrise, Glencore, Swisscom, zwei Family Offices und Klaas Kersting, einer der deutschen Online-Games-Pioniere. Er finanziert nach dem Verkauf seiner Firma Gameforge mehrere Start-ups und gibt somit Geld und Erfahrung in den Start-up-Markt zurück. Daneben baut er eine neue Gaming-Firma auf.

Nun kommt die erneute Wende, der „Spiegel“ setzt auf LaterPay für sein Angebot „Spiegel Plus“. Was bedeutet das für Sie?
Der „Spiegel“ ist derzeit unser größter Kunde. Es braucht ein, zwei Leuchttürme. Gerade in Deutschland braucht es diesen Vorbildcharakter. Mit dem „Spiegel“ an Bord wollen wir Mut machen, aber die Erwartungen auch nicht zu hoch schrauben. Der Markt steht noch am Anfang. Es gibt keinen schnellen Erfolg bei Paid Content. Es ist ein Prozess, kein Event. Unser Ziel ist es, das Made-in-Germany-Modell zu exportieren.

Wohin?
Seit eineinhalb Jahren haben wir einen Mitarbeiter in den USA, mehr sind geplant. Wir haben bereits US-Kunden, aber noch niemand ist live. Die USA sind ein toller, aber hochkomplexer Markt. Da brauchst du echte Eingeborene vor Ort, die den Markt und die Leute kennen und die die richtigen Partner finden. Wir müssen komplett nach US-Recht spielen, deshalb haben wir dort auch eine Laterpay Inc. gegründet und die notwendige Infrastruktur aufgebaut.

Es geht nach sechs Jahren nun also richtig los?
Es hat sich viel getan, auch bei den deutschen Verlagen. Früher haben sie die verkehrte Frage gestellt – wie sie ihr altes Geschäftsmodell ins Internet bekommen. Heute haben sie verstanden, dass sie im Netz auch mit ganz anderen Modellen konkurrieren. Jetzt fragen sie vermehrt: Was müssen wir tun, um digitale Produkte erfolgreich verkaufen zu können? In den kommenden Monaten werden noch weitere spannende Inhalteanbieter live gehen.

Welche Inhalte kommen noch?
Videos sind für uns spannend. Hier kann ich mir auch etwas veränderte Bezahlmodelle vorstellen, etwa „pay with money or pay with ads“ – entweder du akzeptierst Werbung vor dem Video oder zahlst einen bestimmten Betrag für die werbefreie Nutzung.