Viele Unternehmen sagen aktuell Dienstreisen und Messebesuche ab. Das Münchener Start-up muss bei Umbuchungen helfen – fürchtet aber keine Einbußen. Investoren stellen neun Millionen Euro bereit.

Der Mobile World Congress wurde bereits abgesagt, die Reisemesse ITB steht auf der Kippe – und zahlreiche Unternehmen schränken bereits die Dienstreisen ihrer Mitarbeiter ein. Das Coronavirus hat deutliche Auswirkungen auf den Geschäftsreisemarkt, der in Deutschland zuletzt ein jährliches Umsatzvolumen von über 50 Milliarden Euro hatte. Auf dem Sektor tummeln sich auch zahlreiche Start-ups.

Das Münchener Start-up Lanes & Planes bleibt dennoch optimistisch: Man unterschätze, dass über 80 Prozent der Geschäftsreisen innerdeutsch seien und unter den folgenden Top-Ten-Destinationen acht europäische Länder seien, sagt Mitgründer Veit Blumschein gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. „Daher spüren wir, was die Anzahl der Geschäftsreisen angeht, kaum Auswirkungen.“ Wenn es um Interkontinentalreisen geht, steige jedoch die Zahl der Umbuchungen oder Stornierungen, so Blumschein. Zudem würden die Kunden – vor allem Mittelständler – häufiger eine Übersichtsfunktion in der Software nutzen: „Wo sind meine Mitarbeiter gerade und wo reisen sie hin?“

Weniger Reisen, weniger Umsätze

Die Entwicklungen sind auch für das eigene Geschäftsmodell des Start-ups relevant: Lanes & Planes verdient Geld mit einer Lizenzgebühr für seine Software, ein Teil der Vergütung ist jedoch auch abhängig vom Reisevolumen der Kunden. Andere Anbieter, wie etwa Konkurrent Travelperk, erhalten zudem Provisionen für vermittelte Reisen. Comtravo hat auch ein Preismodell im Angebot, bei dem das Start-up pro gebuchtem Ticket vergütet wird. Auch Voya aus Hamburg fokussiert mit seinem Angebot auf Geschäftsreisende.

Trotz Coronakrise oder kriselnder Konjunktur: Generell ist das Potenzial von Start-ups im Geschäftsreisemanagement-Segment groß. Mit komfortableren Buchungssystemen oder transparenteren Abrechnungen wollen sie Mittelständler und Konzerne als Kunden gewinnen. Ihr Versprechen: Durch die Software lassen sich Geschäftsreisen einfacher und zum Teil auch günstiger buchen. Das entlastet die Mitarbeiter – und reduziert damit die Kosten. Lanes & Planes, gegründet im Jahr 2017, wirbt mit bis zu 30 Prozent, die kleine und mittelständische Unternehmen bei ihren direkten und indirekten Reiseausgaben sparen können.

Großes Potenzial für Geschäftsreise-Start-ups

Investoren sehen daher weiterhin großes Potenzial. Lanes & Planes hat in diesen Tagen den Abschluss einer neuen Finanzierungsrunde über umgerechnet etwa neun Millionen Euro bekanntgegeben. Angeführt wird das Investment von dem US-Risikokapitalgeber Battery Ventures, der in Deutschland unter anderem an Getyourguide und Zeitgold beteiligt ist. „Geschäftsleute erwarten heute eine konsumentenähnliche Erfahrung bei der Buchung von Dienstreisen“, sagt General Partner Itzik Parnafes – und sehen diese Herausforderung bei Lanes & Planes „eindrucksvoll erreicht“.

Man wolle das frische Kapital nutzen, um „langfristig noch schneller wachsen zu können“, sagt Mitgründer Blumschein. Ziel sei es nun, mehr Kunden zu gewinnen und das Produktangebot zu verbessern. Dabei fokussiert das Start-up vorerst auf die Heimat: Deutschland sei der derzeitige Zielmarkt.