Die Produktionshalle ist abgebrannt, der Optimismus bleibt hoch: Der Elektroroller-Hersteller aus  Remagen glaubt an den Sharing-Trend. Investor InnoEnergy hilft nun bei der Expansion.

45 Stundenkilometer schaffen die meisten Elektroroller von Kumpan – das Start-up selbst war mit Vollgas in das neue Jahr gestartet: „Wir haben ein unglaubliches Auftragsvolumen“, berichtet Mitgründer Patrik Tykesson. Doch dann kam die Vollbremsung. Und ausnahmsweise hatte nicht die Corona-Pandemie Schuld.

Vor zwei Wochen brannte die Produktionsstätte des 2010 gegründeten Unternehmens in Remagen ab. Die Fertigung steht aktuell erst einmal still. Lange soll das aber nicht so bleiben: „Wir haben den ersten Schock hinter uns gelassen“, sagt Tykesson. Eine neue Halle in der Nachbarschaft konnte schnell gefunden werden, in einem knappen Monat sollen die ersten Elektroroller bereits wieder montiert werden. „Natürlich werden wir nicht sofort den gleichen Output schaffen“, sagt Tykesson, „aber die Hälfte werden wir erreichen.“

Lieferanten für die Sharing-Economy

Etwa 70 Prozent der Fahrzeuge gehen aktuell an die Betreiber von Flotten, ungefähr 30 Prozent werden direkt an Endkunden verkauft. „Der Sharing-Markt ist gewissermaßen explodiert“, sagt Tykesson. In der breiten Öffentlichkeit standen dabei im vergangenen Jahr eher die Scooter, also elektrifizierte Tretroller, und die Start-ups dahinter. „Die sind in der Produktion sehr günstig und es ging darum, sie schnell in den Markt zu bringen“, sagt Tykesson.

Hier und da entstanden jedoch auch Rollerflotten. Die sind dafür geeignet, etwas größere Distanzen elektrisch zu überbrücken, etwa den Weg quer durch die Stadt ins Büro oder am Wochenende zum See am Stadtrand. In Köln, München oder im Ruhrgebiet stehen kleinere Flotten parat, in Berlin konkurrierten lange Emmy und die Bosch-Tochter Coup – bis letzterer kurz vor dem Jahresende den Stecker zog. Vor wenigen Wochen verkündete dann Scooter-Start-up Tier, die Coup-Roller in seine Flotte zu integrieren. „Zur Mikromobilität gehört viel mehr als ein Tretroller“, ist Tykesson überzeugt. „Aber für unsere Kundengruppen sind das langfristige Investitionen, dadurch sind die Stückzahlen nicht so groß.“

Viel Konkurrenz in allen Märkten

Das Remagener Start-up hat seinen Fokus auf der Konstruktion und Produktion der Roller selbst, vertreibt sie jedoch auf Wunsch auch mit einer Sharing-Software. „Jeder Anbieter tickt da anders“, sagt Tykesson, „aber weil wir das Know-how selbst aufbauen mussten, haben wir die Kernkompetenzen nun im Haus.“ Der Markt gilt jedoch weiterhin als schwierig. Die Coronakrise könnte sich indirekt auf die Investitionsentscheidungen von potentiellen Flottenbetreibern auswirken.

Der Vertrieb an die Endkunden soll daher nicht vernachlässigt werden. In diesem Jahr will Kumpan einen elektrischen Roller auf den Markt bringen, der 100 Stundenkilometer schnell ist. Ende des vergangenen Jahres hatte das Start-up zudem den Hersteller Scrooser übernommen. Der produziert eine Art Mischform von Roller und Scooter und soll eine andere Zielgruppe ansprechen.

Kreativität ist hier gefragt, denn die Konkurrenz unter den Herstellern ist ebenfalls hoch: Von Berlin aus ist das Start-up Unu Motors unterwegs, gestartet als Hersteller und auf dem Weg zum Mikromobilitätsanbieter. Von München aus arbeitet Govecs an Elektrorollern. Und international sind asiatische Firmen wie Niu bereits sehr etabliert auf europäischen Märkten.

Mit dem Batteriesystem in neue Branchen

Auch Kumpan-Roller sollen bald nicht mehr nur in deutschsprachigen Ländern rollen. E-Bility, das Unternehmen hinter den Marken Kumpan und Scrooser, hat dafür nun einen neuen Investor an Bord geholt. EIT InnoEnergy, ein großer europäischer Technologie-Investor, stellt dem Start-up drei Millionen Euro zur Verfügung. „Wir haben uns aufgrund des großen Netzwerks für sie entschieden“, sagt Tykesson im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Zum einen kann der neue Geldgeber beim Vertrieb helfen. Zum anderen will man gemeinsam vor allem vor allem das Batteriesystem des Start-ups vermarkten. Das selbst entwickelte „Kraftpaket 2.0“ soll sich schnell und einfach auswechseln lassen. Damit habe es Potential „weit über den Mobilitätsmarkt hinaus“, sagt Christian Müller, Chef von InnoEnergy in Deutschland. Auch Elektrowerkzeuge oder Rasenmäher ließen sich theoretisch so mit Energie versorgen. „Die Technologie hinter dem intelligenten Batteriesystem könnte zu einem De-Facto-Standard für das nachhaltige Design vieler Produkte werden“, so Müller.