Mit speziellen Werkstoffen und einem eingebauten Reinraum will das Start-up bei Medizintechnikherstellern und Kliniken punkten. Zwei neue Partner bringen Kapital und Know-how mit.

Ein Stück neuer Schädelknochen, eine Bandscheibe aus Kunststoff: Das Start-up Kumovis ermöglicht es, Produkte herzustellen, die unter die Haut gehen. Das junge Münchener Unternehmen hat einen 3D-Drucker entwickelt, mit dem medizinische Prothesen und Implantate passgenau hergestellt werden können. Damit spezialisiert sich das Team, das sich an der TU München gefunden hat, auf einen besonders sensiblen Bereich der additiven Fertigung. Statt Bauteilen für Maschinen entstehen mit ihrem Gerät Medizinprodukte, die individualisiert angefertigt werden können.

Zwei Herausforderung musste Kumovis dabei lösen: Zum einen ging es darum, mit sogenannten thermoplastischen Kunststoffen drucken zu können. Im Bauraum des Druckers wird das Material mit bis zu 250 Grad verarbeitet und verformt. So werden auch Formen möglich, die nicht gefräst werden können: „Etwa offenporige Strukturen, in die Gewebe hineinwachsen kann“, erläutert Mitgründerin Miriam Haerst.

Enge Zusammenarbeit mit etablierten Herstellern

Zum anderen erfolgt der 3D-Druck in einem Reinraum. Um hohen Hygienestandards zu entsprechen, wird die Luft rund um da Bauteil intensiv gefiltert – damit keine Partikel mit in die Prothese wandern. So könne man Bauteile erstellen, die den strengen Anforderungen der Medizintechnik gerecht werden, sagt Haerst. Die gedruckten Teile müssen Zulassungs- und Dokumentationskriterien überstehen.

Vor etwa einem Jahr sei Kumovis mit dem ersten Serienprodukt auf den Markt gekommen, berichtet Haerst. Erster Ansprechpartner sind Medizintechnikhersteller. Denen stellt das Start-up nicht nur den Drucker in die Halle: „Wir sehen da eine enge Zusammenarbeit, in der wir auch den Herstellungsprozess optimieren“, sagt Haerst. Zudem sehen die Münchener auch Potenzial, direkt mit Krankenhäusern oder regionalen Versorgungszentren in den Austausch zu kommen. „Corona hat noch einmal gezeigt, dass die Sicherheit von Lieferketten ein wichtiger Punkt ist“, sagt Haerst. Mit dem 3D-Drucker, der samt eingebautem Reinraum durch jede herkömmliche Kliniktür passt, lassen sich vor Ort benötigte Prothesen oder Implantate fertigen.

Zwei Strategen steigen ein

Zwei neue strategische Gesellschafter unterstützen das Start-up nun beim Wachstum. Der Kunststoffhersteller Renolit mit Hauptsitz in Worms bringt Material-Expertise und über seine Healthcare-Sparte wichtige Kontakte mit. Die Investition in Kumovis sei ein wichtiger Schritt, die „Dynamik in Richtung Innovation im Gesundheitswesen mit Partnern zu fördern und die Präsenz im Bereich medizinischer Produkte zu stärken“, sagt Thomas Sampers, Leiter von Renolit Healthcare.

Ebenfalls neu dabei ist der Solvay Ventures. Man wolle gemeinsam „den Wandel zur personalisierten Medizin“ beschleunigen, sagt Stéphane Roussel, Geschäftsführer des Beteiligungsarms des belgischen Chemie-Konglomerats. Vor allem bei der auf den jeweiligen Patienten abgestimmten Mischung von Medikamenten sehen Pharmabranche und Mediziner großes Potenzial. Eine einfachere und günstigere Anpassung von Medizinprodukten bringt aber ebenfalls große Marktchancen mit sich. In der aktuellen Finanzierungsrunde fließen insgesamt 3,6 Millionen Euro an das Start-up. Bisherige Gesellschafter beteiligen sich erneut: Der High-Tech Gründerfonds und Ffilipa Ventures waren Ende 2018 bei Kumovis eingestiegen.