Das Start-up beschafft Metall- und Kunststoffteile für Maschinenbauer. Zwei österreichische Investoren stellen nun Millionen bereit – und sollen beim Sprung in die Alpenrepublik helfen.

Etwa 80.000 Angestellte, mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz: Der Maschinenbau hat in Österreich eine große Bedeutung, nach Zahlen der Betriebsansiedelungsagentur ABA steht der Sektor für etwa 14 Prozent der gesamten Industriewertschöpfung in dem Land. Ein deutsches Start-up mit Sitz im Schwäbischen will sich nun in einem Segment dieses Marktes festsetzen. Kreatize erleichtert es Maschinen- und Anlagenbauern, individuell gefräste, zurechtgeschnittene oder 3D-gedruckte Bauteile zu beschaffen. Für Mitgründer Simon Tüchelmann ist der Schritt über die Grenze logisch: „In Österreich sind sehr hochwertige Maschinenbauer ansässig – deren Anforderungen und Ansprüche sind relativ gleich denen in Deutschland.“

Auf der Seite des Start-ups können Unternehmen die Zeichnungen der gewünschten Bauteile hochladen. Kreatize sucht dann unabhängige Lohnfertiger, die die Teile aus Kunststoff oder Metall herstellen. Damit will das junge Unternehmen die klassischen Vorteile einer Plattform bieten: Auf einem relativ kleinteiligen Markt von Nachfragern und Herstellern verringert die digitale Lösung den Bestell- und Akquise-Aufwand für beide Seiten. „Wann hat wer zu welchem Preis Kapazitäten zur Verfügung – das kann ich nur sehr aufwendig per Telefon herausfinden“, sagt Tüchelmann. Kreatize tritt dabei selbst als Vertragspartner der Maschinenbauer auf und lebt von der Differenz zum Einkaufspreis bei den Fertigern.

Geld aus Österreich für den Sprung nach Österreich

Die Expansion ins Nachbarland wird dabei durch eine gerade abgeschlossene Finanzierungsrunde unterstützt. Zwei Geldgeber stecken einen einstelligen Millionenbetrag in Kreatize, verkündete das Start-up in dieser Woche. Auch die neuen Investoren kommen dabei aus Österreich.

Zum einen steigt B&C Innovation Investment (BCII) ein. Der Investor ist Teil der Industrieholding B&C – die hält unter anderem Mehrheitsbeteiligungen an dem Aluminiumkonzern Amag, dem Kautschukspezialisten Semperit oder dem Faserproduzenten Lenzing. Die Holding sieht sogar einen günstigen Zeitpunkt für ihren Einstieg bei Kreatize: „Gerade jetzt, in der Zeit nach Shutdown durch die Covid-19-Pandemie, ist ein rascher, kostenoptimierter Produktionshochlauf der Industrie entscheidend für den Standort“, sagt BCII-Geschäftsführer Thomas Zimpfer.

Zum anderen steigt auch der Unternehmer Martin Ohneberg bei dem Start-up ein. Er ist Vorstandschef des Automobilzulieferers Henn. Die Firma hat bereits Kreatize bereits als Kunde kennengelernt. Die Corona-Krise werde Unternehmen dazu zwingen, ihre Beschaffungs- und Produktionsprozesse weiter zu digitalisieren, lässt sich Ohneberg in einer Pressemitteilung zitieren. Mit ihrem Netzwerk sollen und wollen die neuen Gesellschafter dem Start-up nun helfen, sowohl Maschinenbauer als auch Lohnfertiger in Österreich zu überzeugen. „Letztendlich haben wir durch die beiden Investoren einen wahnsinnig guten Zugang zum Markt bekommen, den wir sonst nicht hätten“, so Tüchelmann zu WirtschaftsWoche Gründer.

Beschaffungs-Plattformen ringen um Marktanteile

Für Kreatize ist das Investment und die angestrebte Expansion bereits die zweite größere Nachricht in diesem Jahr. Im Februar hatte das Start-up die Übernahme der Plattform Fabrikado bekanntgeben. Ende 2019 hatte zudem die amerikanische Plattform Xometry das Münchener Start-up Shift übernommen. Der Konkurrent Laserhub, der bereits vor einem Jahr auf dem österreichischen Markt gestartet war, hatte diese Entwicklungen kritisiert: „Wir hätten uns im Sinne aller Beteiligten weiterhin einen Markt mit möglichst vielen – und möglichst starken – Konkurrenten gewünscht“, schrieb Laserhub-Gründer Adrian Raidt in einer Pressemitteilung im Februar. Die Konsolidierung des Markts der industriellen Plattformen geschehe zu früh. „Dadurch kann viel Dynamik und Innovationsdruck verloren gehen.“

Kreatize-Mitgründer Tüchelmann ist dagegen überzeugt, dass die Übernahme für das Start-up ein sinnvoller Schritt war. Zum einen könnten Kunden nun verschiedene Produkte in einer Einkaufslösung finden, zum anderen sei mit den Fabrikado-Mitarbeitern ein Team dazugekommen, das sich bereits gut in dem jungen Markt auskennt. „Wir haben so viele gute Mitarbeiter gewonnen“, so Tüchelmann.