Kurze Prozesse, schnelle Entscheidungen – genau das sei die Stärke einer Partnerschaft unter Start-ups, sagt Andy Goldstein. Der gebürtige Amerikaner leitet das Entrepreneurship Center der Ludwig-Maximilians-Universität München, zudem ist er Digitalisierungsexperte bei der Unternehmensberatung Deloitte Digital. „Start-ups schauen bei gemeinsamen Projekten auf ihre Armbanduhr, Unternehmen in ihren Jahreskalender“, sagt Goldstein. Während bei Konzernen neue Projekte erst auf zahlreichen Hierarchieebenen abgestimmt und bewilligt werden müssten, könnten Gründer direkt loslegen. Bei Bloomy Days und Juniqe wurde die Kooperation im Acht-Augen-Prinzip entwickelt und abgestimmt.

Kurze Wege sollten allerdings nicht zu Laissez-faire führen, warnt Goldstein. Auch bei Start-up-Partnerschaften müsse von Anfang an klar geregelt werden, wer welche Aufgaben übernehme, wie lange die Kooperation laufe und wie die Finanzierung aussehen werde. Offen über Ziele und Erwartungen reden – das empfiehlt auch Andreas Kuckertz, Professor für Entrepreneurship an der Universität Hohenheim. „Alle Beteiligten müssen von Anfang an wissen, worauf sie sich einlassen.“ Angst um ihre Firmengeheimnisse müssten Gründer nicht haben. „Viel wichtiger ist es, voneinander zu lernen.“

Kooperationen mit Konzernen bringen Start-ups deutlich mehr

Dennoch empfiehlt Kuckertz Gründern sich nicht allzu lange mit der Suche nach anderen Start-ups als Kooperationspartner aufzuhalten, sondern lieber auf die Zusammenarbeit mit Konzernen zu setzen. „Das gibt den Gründern deutlich mehr Schlagkraft“, sagt er. Wer als Start-up das Vertrauen eines großen Partners erworben habe, gewinne automatisch an Glaubwürdigkeit bei anderen Unternehmen. Zudem bieten die Vertriebskanäle und Kontakte der Konzerne eine potenzielle Reichweite, die kein Start-up-Partner liefern könne.

Bei Bloomy Days fährt man deshalb zweigleisig. „Wir versuchen immer, Gemeinsamkeiten sowohl mit Großunternehmen als auch mit anderen Gründern zu finden“, sagt Sandow. Bereits seit drei Jahren arbeitet das Unternehmen mit L’Oreal zusammen und auch der Porzellanhersteller Rosenthal gehört zu den Partnern. Allerdings ist die Zusammenarbeit mit den Großen eben viel schwieriger zu erreichen. „Bis eine solche Kooperation zustande kommt, muss man viel Vorarbeit leisten“, so Sandow. Bevor der Blumen-Versandhändler zum Beispiel IKEA als Partner gewinnen konnte, vergingen ganze zweieinhalb Jahre.

Dimensionen, in denen viele Start-ups gar nicht planen. Dort zählt jeder Tag. Es gilt, ständig präsent zu sein, aufzufallen. Sandow will daher an Kooperationen mit anderen Gründern festhalten: Für Anfang April ist bereits die nächste gemeinsame Kollektion mit Juniqe geplant.