Die Digitalisierung verändert viele Traditionsfirmen. Doch von Start-ups wollen sich die wenigsten Unternehmen helfen lassen, zeigt eine Studie – weder bei Produkt noch bei Kultur.

Das Aachener Familienunternehmen Zentis startet eine Investment-Gesellschaft. Heizungsbauer Viessmann betreibt einen Inkubator für Tech-Themen. Und von München versucht ein ganzes Netzwerk von inhabergeführten Firmen, den Draht zu Start-ups zu verstärken. Die Neugier der oft jahrzehnte- oder gar jahrhundertealten Unternehmen auf junge Digitalfirmen wächst.

Doch die breite Masse der Familienunternehmen scheint sich dieser Entwicklung weiterhin zu verschließen: Laut einer aktuellen Umfrage des Beratungsunternehmens PWC kooperieren nur 14 Prozent der inhabergeführten Firmen in den deutschsprachigen Länden mit Start-ups. In Deutschland selbst liegt der Wert mit zwölf Prozent noch einmal etwas niedriger.

Hidden Champions bleiben noch verschlossen

Andere Umfragen zeigen den Konflikt, den Mittelständler oft sehen: Auf der einen Seite erhoffen sie sich von Start-ups technische Innovationen und Impulse für die eigene Arbeitsweise. Auf der anderen Seite fürchten sie einen fehlenden Qualitätsanspruch der jungen Unternehmen – und einen Zusammenstoß der Firmenkulturen.

Mit Hinblick auf die Herausforderungen der Digitalisierung und den zunehmenden Wettbewerb um Fachkräfte warnen die Berater jetzt vor einer zu großen Verschlossenheit. „Der Wandel vom Hidden Champion zu einer Kultur der Offenheit ist absolut notwendig, um weiter im Markt relevant zu bleiben“, sagt PWC-Partner Uwe Rittmann. „Hier ist ein Umdenken gefragt.“ Eine Öffnung für Kooperationspartner hält der Berater für „eminent wichtig“.

Wichtige Hillfe beim Wissenstransfer

Gerade das Potenzial des Wissenstransfers stellt die PWC-Umfrage heraus. Kurzfristig könne notwendiges Wissen für die Transformation des Geschäfts aus der Zusammenarbeit mit Start-ups kommen, heißt es in der Studie. Dabei geht es nicht zwangsläufig um Ingenieursleistungen, sondern häufig um die Art der Entwicklung. Start-ups wird dabei häufig ein (noch) schnellerer Entscheidungsprozess, ein klarer Kundenfokus und ein rascher Zugang zum Markt zugesprochen.

Dennoch sehen nur 17 Prozent der Familienunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Chance, durch Start-up-Kooperationen an neues Wissen zu gelangen. Im europäischen Vergleich der Familienunternehmer-Studie (hier geht es zum PDF) liegt die Region dabei weit zurück. EU-weit bejahen 30 Prozent der Traditionsfirmen die Vorteile durch Start-ups als Partner, in Großbritannien sind es sogar 55 Prozent.