In der Immobilienbranche steigt die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Gründern, so die Berater von CBRE. Wichtige Barrieren seien aber längst nicht abgebaut.

Die Assetmanager der Commerzbank-Gruppe Commerz Real beteiligen sich am Berliner Crowdinvesting-Portal Bergfürst, der Immobilienfinanzierer Patrizia steigt beim Daten-Start-up Evana ein, der Fondsanbieter Union Investment veranstaltet einen „PropTech Innovation Summit“: Große Player aus dem Segment der Immobilienfinanzierung suchen derzeit die Nähe zu jungen Technologieunternehmen. Die Ziele: Eigene Geschäftsprozesse sollen verbessert und Innovationen in das Unternehmen hereingetragen werden.

Die Initiativen der Branchenriesen färben zunehmend auch auf kleinere Unternehmen auf dem Immobilienmarkt ab, beobachtet Julian Hagenschulte, Leiter der Digitalberatung des auf Gewerbeimmobilien spezialisierten Dienstleisters CBRE. Lange wahrten viele der Firmen indes eine kritische Distanz zu Start-ups. „Der Branche geht es gut – es gab in der Vergangenheit wenige Geschäftsbereiche, in denen die Unternehmen gezwungen waren, in Innovationen zu investieren“, so Hagenschulte im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Verstärkte Scouting-Bemühungen

Nun werfen mehr und mehr etablierte Unternehmen ein Auge auf Proptechs – also Start-ups, die mit technologischen Innovationen die Immobilienbranche aufmischen wollen. So sei zu beobachten, dass etwa Wohnungsbaugesellschaften eigens kleine Teams zusammenstellten, um regelmäßige Gespräche mit Proptechs zu führen. Dies biete Chancen für junge Unternehmen auf der Suche nach einem Marktzugang, sagt Hagenschulte: „Diese Ansprechpartner sollten die jungen Firmen gezielt kontaktieren.“

Denn nach wie vor stehen Gründer in der vergleichsweise verschlossenen Immobilienbranche nach Aussage des Digital-Beraters vor der Schwierigkeit, zur Chefebene durchzudringen: „Wichtig ist für die Start-ups, eine Empfehlung vorweisen zu können, um überhaupt Zugang zur Managementebene eines möglichen Kooperationspartners zu erhalten.“

Wie gut Partnerprojekte zwischen etablierten Immobilienunternehmen und Proptechs bereits funktionieren, erfasst CBRE zwar nicht. Hagenschulte spricht jedoch von bedeutenden kulturellen Unterschieden, die häufig zu Missverständnissen führten. Ein Beispiel sind die Anlaufphasen für potenzielle Kooperationen: „Erfahrungsgemäß dauern die Entscheidungsprozesse – und damit auch die Platzierung neuer Produkte am Markt – im Immobilienbereich deutlich länger als in anderen Branchen. Das sollten Start-ups bereits im Businessplan berücksichtigen“, sagt Hagenschulte.

Kritik am Technologie-Fokus

Unzufriedenheit herrscht seiner Beobachtung nach jedoch oftmals auch auf Seiten der etablierten Unternehmen. So berichten dem CBRE-Berater zufolge viele Mittelständler über Probleme bei der Evaluierung von Start-ups, die für eine Kooperation in Frage kommen: International aufgestellte Unternehmen stellten zum Beispiel häufig fest, dass die angebotene Lösung nicht auf allen Märkten skaliere.

„Viele Start-ups, die ich sehe, versuchen die Technik auszureizen, lösen aber kein reelles Problem“, so Hagenschulte. „Die Immobilienbranche ist extrem komplex mit vielen Unterklassen und unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Ein Produkt auf alle Bereiche ausweiten zu wollen, funktioniert häufig nicht.“

Von bislang guten Geschäften in der Bau- und Immobilienbranche wollen viele Gründer profitieren – und arbeiten etwa an Möglichkeiten,  die Verwaltung von Objekten zu vereinfachen. Insgesamt 527 Proptechs in der DACH-Region zählte der in Frankfurt ansässige Accelerator Blackprint Proptech Booster laut einer Erhebung Ende des vergangenen Jahres.