Start-ups rollen die FinTech-Branche auf? Nur teilweise. Gerade beim mobilen Bezahlen haben es junge Firmen wie Yapital schwer. Die Gewinner könnten eine Handvoll Giganten sein.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt wieder Julian Heck. Er ist Journalist und auf medienjournalistische und digitale Themen spezialisiert und beleuchtet bei uns die boomende FinTech-Branche.

Von Julian Heck

Das Start-up-Jahr 2015 war das Jahr der FinTechs. Der Markt wird von zahlreichen Anbietern überflutet und das Ganze wird zunehmend schwieriger zu überblicken. Trotzdem: Dass FinTechs inzwischen so präsent sind – großartig. Die Umwälzung durch Start-ups tut der über lange Zeit eher steifen Finanzbranche gut.

Tatsächlich hat es der Finanzsektor mit einer Umwälzung zu tun: Einzelpersonen und Unternehmen können sich ihre Kredite online besorgen. Das ist nicht nur bequemer, sondern geht in der Regel auch um ein Vielfaches schneller. Kreditech, Lendico oder Auxmoney – sie und viele andere wollen etwas vom Kuchenstück traditioneller Banken haben, indem sie die Kreditvergabe optimieren, wenngleich nicht immer günstiger.

Auch bei der Geldanlage mischen Start-ups mit und trumpfen mit möglichst attraktiven und unkomplizierten Angeboten auf, wie zum Beispiel Vaamo, Cashboard oder Easyfolio. Bei den klassischen Geldkonten macht sich allen voran Number26 breit und erweitert Funktionen stetig, um einem normalen Girokonto möglich nahe zu kommen – und sich somit als gleichwertige beziehungsweise bessere Alternative zu den Sparkassen, Volksbanken und Co. zu positionieren.

All die Beispiele zeigen: Start-ups haben die reale Möglichkeit, die Finanzbranche in die digitale Welt zu katapultieren. Manche von ihnen schaffen das alleine, andere wiederum holen sich alteingesessene Banken an Bord – oder jene Finanzinstitute ziehen Start-ups auf –, um gemeinsam an der Bank der Zukunft zu tüfteln.

Den Payment-Markt haben sich Tech-Giganten geschnappt

Es gibt jedoch einen Bereich im Finanzsektor, der anders funktioniert und sich deutlich anders entwickelt: Payment. Das ist ein Bereich, der nicht von Start-ups dominiert wird, aber auch nicht den Finanz-Urgesteinen. Stattdessen sind es die großen Technik-Giganten, die sich – so könnte man meinen – den Payment-Markt unter sich aufteilen.

Wird über Online-Payment gesprochen, ist fast nur die Rede von Paypal. Hierzulande nutzt fast jeder vierte Käufer im Netz den Dienst als Bezahlungssystem. Damit hat der Anbieter sogar knapp den Kauf auf Rechnung überholt, der ewig des Deutschen Liebling war. Neben Paypal sind noch Clickandbuy – inzwischen eine Tochter der Deutschen Telekom – und in den USA Stripe eine Erwähnung wert. Selbst Amazon hat ein eigenes Payment-System am Start, dass zunehmend relevanter wird. Danach wird der Markt schon dünner. Ob die Banken und Sparkassen mit ihrem eigenen Online-Bezahldienst Paydirekt den Markt erobern können? Unklar.

Noch drastischer sieht der Markt beim mobilen Bezahlen aus: Hier sind es in erster Linie die Big Player im Smartphone-Markt, die für ihre Geräte Mobile-Payment-Lösungen entwickeln. Apple hat Apple Pay ins Rennen geschickt, Google ist mit Android Pay und der Google Wallet dabei und Samsung hat Samsung Pay auf den Markt losgelassen. Sie werden es am Ende vermutlich sein, die Mobile Payment – auch in Deutschland – in den Köpfen der breiten Masse verankern können.

Apple, Google und Samsung haben nämlich zwei entscheidende Vorteile: Zum einen können sie ihren Bezahl-Dienst haargenau auf ihre eigenen Geräte beziehungsweise eigene Software abstimmen und somit ein wahrscheinlich besseres System auf die Beine stellen. Zum anderen haben die Technik-Giganten eine enorme Reichweite, die auf einen Schlag viele Menschen mit einem Payment-System versorgt und gleichzeitig in einer anderen Position bei Verhandlungen mit Händlern sind.

Apple und Co. vereinen sich

Wie schwierig es ist, wenn diese Voraussetzungen nicht existieren, hat Ottos Mobile-Payment-Anbieter Yapital bewiesen. Unabhängig davon, wie gut oder schlecht seine Software ist, ist es dem Dienst schlichtweg nicht gelungen, genügend Kunden zu überzeugen – und das, obwohl große Kunden wie Rewe oder Douglas gewonnen werden konnten. Zumindest im Endkunden-Geschäft ist für Yapital 2016 Schluss.

Dass die Payment-Systeme von Apple und Co. keine unwichtigen Schnellschüsse waren, darauf deutet die Initiative von Amazon, Google, Apple, Paypal und Intuit hin. Die fünf Tech-Riesen haben sich zu unter dem Namen „Financial Innovation Now“ zusammengeschlossen und wollen gemeinsam als eine Art Lobby agieren und Innovationen bei Finanzdienstleistungen fördern, unter anderem in ihren Kernbereichen Mobile und Online Payment. Noch beschränkt sich diese Initiative auf die USA. Kaum auszudenken, was wäre, wenn sie global agieren würden.

Die Schlacht am Mobile-Payment-Buffet wird deshalb unter ihnen ausgetragen. Gut möglich, dass sie alle etwas vom Buffet abbekommen und gemeinsam versuchen werden, den Zugang hierzu für andere zu sperren.