Zur Zeit der Firmengründung nutzte Meike Haagmans Lernangebote, die sie heute aus den Augen verloren hat. Zu Unrecht, wie sie in ihrer aktuellen Kolumne erklärt.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: In ihrer Kolumne berichtet Meike Haagmans von dem alltäglichen Wahnsinn im Leben einer Gründerin. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, reist sie als Flugbegleiterin um die Welt, bloggt über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite Tipps für Nebenbei-Gründer.

Immer wieder werde ich gefragt, womit ich bei der Gründung von Joventour begonnen habe. Zunächst war da natürlich die Geschäftsidee, die sich in meinem Kopf einnistete. Zeitgleich entstand aber auch die erste große Herausforderung, denn für den anvisierten Direktvertrieb war eine Webseite mit Buchungsplattform unabdingbar. Meine Entscheidung, die Firma nur durch eigene Mittel zu finanzieren, macht die Situation nicht einfacher und schloss den Einkauf von externem Know-How und Dienstleistern aus.

Ich hatte also eine Idee im Kopf, aber keinen blassen Schimmer von IT – dem Herzen des Onlinevertriebs. Vermutlich wäre hier der Punkt gewesen, an dem ich heutzutage meinen Businessplan entsorgt hätte. Vor neun Jahren sah ich das aber Gott sei Dank anders. So begann ich nach Wegen zu suchen, um möglichst günstig an die fehlenden Kenntnisse zu gelangen.

Suche nach IT-Know-how

Ich wollte lernen, wie man Webseiten und Plattformen erstellt. Besser gesagt, ich musste. Ein großer Vorteil damals, 2010, war, dass in Deutschland noch kein Start-up-Hype herrschte: Flixbus war noch nicht erfunden, Trivago hatte gerade mal 70 Mitarbeiter und Einhörner fanden sich nur auf Schultüten und Sportbeuteln von Erstklässlern. Es war die Zeit vor dem Selbstoptimieren und den Mastermind-Gruppen – es war die Zeit des Machens, ohne groß nachzudenken und ohne sich zu vergleichen.

So kam es, dass ich begann IT-Kurse zu belegen: HTML erst für Anfänger, dann für Fortgeschrittene. Anschließend CSS, PHP und schlussendlich habe ich mich auf ein Content-Management-System festgelegt, welches damals noch in den Kinderschuhen stecke. Während ich also tagsüber an meinem Geschäftsmodell tüftelte und als Flugbegleiterin in Teilzeit arbeitete, besuchte ich abends die Hochschule. Die fürs Volk. Die Volkshochschule. Und nach einem halben Jahr stand die Webseite, die wir bis heute immer noch weiterentwickeln und nutzen.

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