Die Corona-Krise hat Meike Haagmans Reise-Start-up hart gebeutelt. Doch statt aufzugeben, nutzt sie ihre Kompetenzen, um andere Gründer zu unterstützen.

Montag ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt die Unternehmerin über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Ich hatte mir vorgenommen nicht mehr über das Thema zu schreiben. Aber es ist zu präsent. Ich bin sogar sicher, dass die meisten von uns gestern die Zeitumstellung vor lauter Inzidenzwerten vergessen haben. So sehr hat die Pandemie unseren Alltag im Griff. Aber wie soll es weitergehen? Ich frage mich das als Betroffene – nicht als Infizierte, sondern als Geschäftsführerin eines Reiseveranstalters für Fernreisen. Unsere Branche liegt am Boden und wird durch Staatshilfen künstlich beatmet. Im Vergleich zu anderen Industrien gibt es keine Strohhalme mehr, an die sich der Fernreisemarkt klammern kann. 

Obwohl ich als Gründerin mehr als dankbar für die Unterstützung der Bundesregierung bin, merke auch ich, dass dauerhafte Kurzarbeitszahlungen, Soforthilfen und Konjunkturpakete wohl keine anhaltende Lösung sein können. Und überbrücken kann man auch nur, wenn zumindest ein rettendes Ufer in Sicht ist. 

Abseits der bekannten Pfade wandern

Mir scheint, als ob betroffene Firmen in eine Art Corona-Schockstarre gefallen sind. Mitarbeiter werden oftmals auf unbestimmte Zeit in Kurzarbeit geschickt und man harrt der Dinge aus, in der Hoffnung, dass sich die Marktbedingungen bald verbessern werden. Auch bei uns war es nicht anders. Im Lockdown gründetet ich zwar mit einer Freundin das kleine Posterlabel littleplan, aber zu glauben, dass die Umsätze an die eines 10 Jahre alten Reiseveranstalters anknüpfen können, ist utopisch. Wir verweilten also mit Joventour weitgehend im Corona-Modus.

Erst meinem Netzwerk verdankte ich vor knapp zwei Monaten, dass sich die Situation bei uns änderte. Meist waren es befreundete Gründer aus meinem Accelorator Programm, die Unterstützung in den unterschiedlichsten Bereichen von Content-Management-Systeme bis Pressearbeit suchten. Alle hatten die gleichen Anliegen: besser gestern als morgen, keine langen Wege über eine Agentur und hands-on gebaut. Typisch Start-ups halt.

Durch die Eigenfinanzierung von Joventour hatten wir in den letzten Jahren viele Lösungen ´inhouse´ gefunden und Kompetenzen aufbauen können. Wir waren uns dieser – überschattet durch die Ereignisse der vergangenen Monate – einfach nur nicht mehr bewusst. Und so kam es, dass wir begannen Websites, Podcasts und Social Media-Auftritte für komplett andere Branchen zu betreuen. 

Befreiung aus dem Griff der Pandemie

Inzwischen unterstützen wir schon zu dritt verschiedene kleine Projekte im operativen Marketingbereich. Quasi eine Art Feuerwehrkraft bis sich feste Strukturen bei den jungen Firmen etabliert haben – und bis unsere eigene, ursprüngliche Branche hoffentlich wieder handlungsfähig ist.  

Wenn ich die vergangenen Wochen reflektiere, frage ich mich sogar, ob so ein Modell ein Lösungsansatz sein kann, um Firmen aus dem Griff der Pandemie zu befreien. In letzter Zeit fallen mir immer mehr Profilbilder bei LinkedIn auf, die mit dem Hashtag #opentowork versehrt sind. Aber es sind immer nur Einzelpersonen, die oftmals im Zuge von COVID-19 ihre Stelle oder Aufträge verloren haben und signalisieren, dass sie neue Aufgaben suchen. Was wäre aber, wenn ganze Firmen so einen Hashtag nutzten, um damit zu signalisieren: Wir haben Kapazitäten, wir sind ein eingespieltes Team und wir können aushelfen!? Gerade Start-ups könnten doch in gewissen Phasen von Unterstützung und Erfahrung in Projektform profitieren. Und die von Corona gelähmten Unternehmen sowieso – denn Alternativen gibt es (zurzeit) nicht.