Nur wer einen Akademiker aus einem Nicht-EU-Land einstellen möchte, kann auf die EU Blue Card zurückgreifen – die das Verfahren unkomplizierter und unbürokratischer machen soll. Rund 17.000 Blue Cards wurden in Deutschland in den ersten neun Monaten 2017 erteilt, allerdings nicht nur für IT-Experten, sondern auch für Ingenieure oder Ärzte.

Allerdings muss der potenzielle Arbeitgeber Mindestgehaltsgrenzen erfüllen und nachweisen. Zudem erweist sich auch die Anerkennung des notwendigen Hochschulabschlusses teilweise als schwierig. Zudem: Gerade bei Entwicklern sind die tatsächlichen Qualifikationen für ein Start-up viel wichtiger als Abschlüsse.

Ob mit oder ohne Blue Card: Für Start-ups, die oft über keine oder nur eine sehr kleine Personalabteilung verfügen und bei denen vielfach Recruiting noch Chefsache ist, ist es sehr aufwendig, Mitarbeiter aus dem Nicht-EU-Ausland einzustellen. Und was häufig noch schwerer wiegt: Es dauert. Während in etablierten Unternehmen ein paar Monate für eine Neueinstellung völlig normal sind, tickt die Uhr in einem schnell wachsenden Start-up anders.

Und dann sind da noch die Hürden, die sich nicht in Gesetzesblättern wiederfinden, von denen Gründer aber zuhauf berichten können. So hat das Fintech-Start-up figo, Deutschlands erster Banking Service Provider, bereits einige Fachkräfte aus dem Ausland eingestellt und weiß, wie aufwendig und langwierig dieser Prozess sein kann.

Aber selbst wenn der Experte dann endlich angekommen ist, geht es mit den Hürden weiter – etwa wenn im sogenannten Willkommenscenter, das den Prozess eigentlich vereinfachen soll, kaum Englisch gesprochen wird. Die Folge: Auch hier muss das Unternehmen sehr viel Unterstützung leisten.

Ein Willkommenscenter ohne Fremdsprachenkenntnisse ist ein typischer Fall von „nicht mitgedacht” – und leider kein Einzelfall. So berichtet das Start-up fashion.cloud, eine europaweite B2B-Plattform der Modebranche, von der eher wenig durchdachten Kartenzahlung im Willkommenscenter. Fällige Gebühren können dort nur mit der EC-Karte beglichen werden.

Die ist zwar hierzulande Standard, Einwanderern aus Drittstaaten ist sie aber in aller Regel unbekannt, sie verfügen nur über eine Kreditkarte. Um eine EC-Karte zu bekommen braucht man ein Konto in Deutschland – das man nur mit einer Meldeadresse bekommt, die aber voraussetzt, dass man auf dem Amt war und dort die Gebühren bereits beglichen hat. Mit Karte.

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