Start-ups spielen im Kampf gegen Corona eine wichtige Rolle. Die Politik sollte dies als Weckruf sehen und die Digitalisierung vorantreiben, sagt Jenny Boldt.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. Heute schreibt Jenny Boldt. Die studierte Wirtschaftsingenieurin ist Leiterin Startups beim Branchenverband Bitkom und dort für die Initiative „Get Started” verantwortlich. Erfahrung in der Szene sammelte sie auch mit der Gründung eigener Unternehmen.

Wegbrechende Umsätze, Mitarbeiter, die ins Homeoffice geschickt werden – Start-ups sind von der aktuellen Corona-Krise massiv betroffen. Doch trotz dieser schwierigen Situation stecken Gründer nicht den Kopf in den Sand, sondern versuchen ihr Know-how, ihre Technologie oder einfach nur ihre guten Ideen zu nutzen, um einen Beitrag zur Lösung dieser schwierigen Situation zu leisten.

So ist zum Beispiel eine ganze Reihe von E-Health-Start-ups mit besonderen Angeboten am Start: TeleClinic etwa bietet nicht nur eine Online-Sprechstunde an, bei der es grundsätzlich keinen körperlichen Kontakt zwischen Arzt und Patienten gibt – in der aktuellen Krise kann jede Person in Deutschland darüber hinaus bei Bedarf eine kostenlose Coronavirus-Sprechstunde in Anspruch nehmen. Wer keine körperlichen Beschwerden hat, sondern psychologische Hilfe benötigt, dem bietet das Start-up Selfapy Unterstützung mit einem extra eingerichteten Online-Kurs für die Corona-Zeit. Bei Bedarf gibt es auch ein kostenloses Infogespräch.

Medizinische Betreuung in Corona-Zeiten

Und das Telemedizin Start-up “au-schein.de” bietet Online-Krankschreibungen, damit Patienten möglichst wenig die Arztpraxis aufsuchen müssen. Der Nutzer füllt auf der Seite einen Fragebogen aus und kann dann nach Freigabe durch eine Tele-Ärztin die Krankschreibung herunterladen. Wenn der Nutzer in den letzten 14 Tagen, also während der Inkubationszeit von COVID-19, in einem Risikogebiet war oder Kontakt zu einem Infizierten hatte, erhält er die Krankschreibung für maximal 14 Tage. Als besonderen Service werden Patienten ohne Symptome regelmäßig per E-Mail gefragt, ob solche inzwischen aufgetreten sind.

Oft fehlt es den Menschen auch an verlässlichen Informationen rund um die Corona-Pandemie. Das Start-up DOCYET stellt eine Online-Chatfunktion zur Verfügung, um das eigene Risiko, an Covid-19 erkrankt zu sein, abzuprüfen. Daneben werden im Dialog tagesaktuelle Informationen rund um Corona und den Umgang mit dem Virus weitergegeben.

Unterstützung von Einzelhändlern

Nicht an den Patienten, sondern an Arztpraxen, Kliniken, Forschungsinstitute und gemeinnützige Organisationen wendet sich das Münchner Start-up Climedo. Während der Corona-Pandemie stellt es seine webbasierte Plattform für klinische Datenerhebung allen Beteiligten, die Forschung rund um Covid-19 betreiben, kostenlos zur Verfügung.

Der Lockdown zur Eindämmung der Corona-Infektionen hat auch massive wirtschaftliche Folgen für viele – vor allem für kleinere Einzelhändler, Gaststätten und Restaurants sowie Dienstleister. Das Berliner Finanz-Start-up OptioPay hat deshalb die Initiative HilfeLokal gestartet. Die Idee: Jeder Geschäftsinhaber kann sich in wenigen Minuten auf der Seite kostenlos registrieren und Gutscheine anbieten, die Abwicklung übernimmt OptioPay. Und wer seinen lokalen Geschäften durch die Krisenzeit helfen möchte, kann schnell und sicher dort die Gutscheine kaufen.

Oft geht es auch einfach darum, Menschen zusammenzubringen, die Hilfe benötigen und die Hilfe anbieten wollen. Die Plattform nebenan.de hat extra dazu eine eigene Corona-Seite ins Netz gestellt, wo entsprechende Angebote aus der eigenen Umgebung postleitzahlengenau zu finden sind. Damit auch Menschen in Kontakt kommen, die nicht online sind, können Angebote und Gesuche in der Corona-Krise auch telefonisch mitgeteilt werden.

Breiteres Angebot in Sachen Homeschooling

Wer Kinder zu Hause hat, weiß, dass Homeschooling nicht immer einfach ist und die digitalen Angebote der Schulen selbst sehr unterschiedlich ausfallen. Die Lernplattform StudySmarter bietet deshalb Schülern einen kostenlosen Zugang zu einem breiten Lernangebot inklusive originaler Abituraufgaben und -lösungen. Dabei wurden alle Inhalte und Übungsaufgaben von Lehrern erstellt und überprüft.

All diese Beispiele zeigen: In der Corona-Krise sind es vor allem digitale Technologien, die unser tägliches Leben aufrechterhalten. Die Politik sollte diese Tatsache auch als ein Weckruf sehen, die Digitalisierung in Deutschland zu forcieren. Start-ups können dabei – auch jenseits konkreter Hilfe in der Krise – einen entscheidenden Beitrag leisten. Sie sind systemrelevant, damit uns die Digitalisierung in Deutschland gelingt.

Wie Start-ups uns bei der Bewältigung der aktuellen Krise helfen können, ist am Mittwoch, den 22.04., unter dem Titel “Innovativ gegen das Virus” auch Thema des nächsten Gründerfrühstücks der Startup-Initiative Get Started mit FDP-Chef Christian Lindner.