Die steuerliche Förderung sollte zudem auch dann greifen, wenn sich das Angebot zur Beteiligung nicht an alle Mitarbeiter richtet. Denn während es für Gründer essentiell ist, frühe und vertraute Mitarbeiter in entscheidenden Positionen durch Beteiligungen an das Unternehmen zu binden, ist der administrative und finanzielle Aufwand zur Beteiligung aller Arbeitnehmer oft zu hoch.

Um die Rahmenbedingungen für Mitarbeiterbeteiligungen zu verbessern, sollte im Idealfall auch das Gesellschaftsrecht so reformiert werden, dass Kontroll- und Stimmrechte sowie die Notarpflicht bei GmbH-Anteilen unter bestimmten Bedingungen für Start-ups wegfallen.

Die Gründung einer AG ist für die jungen Firmen nur selten sinnvoll und mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. In GmbHs werden reale Anteile in Start-ups jedoch nur selten veräußert, da damit Entscheidungsprozesse verlangsamt würden (Stimm- und Kontrollrechte von Anteilseignern) und ein hoher administrativer und finanzieller Aufwand etwa durch Notarpflicht entsteht. Damit reale Anteile auch in GmbHs leichter ausgegeben und gehandelt werden können, müsste das Gesellschaftsrecht in dieser Hinsicht Ausnahmen für Start-ups gewähren, die an strenge Kriterien wie Dauer oder Unternehmensgröße geknüpft sind.

Die Nachbarländer machen es vor

Einige Nachbarländer sind hier schon einen Schritt voraus. Erst vor einem Jahr wurde in Österreich ein Modell eingeführt, bei dem die Steuerfreigrenze auf 3.000 Euro angehoben und Mitarbeiterbeteiligung flexibler gestaltet wurde. So können zum Beispiel bestimmte Gruppen wie Abteilungsleiter oder Mitarbeiter, die seit fünf Jahren dabei sind, am Unternehmen direkt beteiligt werden. Ein Mitarbeiter muss zudem mindestens weitere fünf Jahre im Unternehmen bleiben, bevor er die Beteiligung veräußern kann.

Auch Schweden hat sich dem Thema angenommen: Eine Reihe von Führungskräften hatte in den vergangenen Jahren das Stockholmer Zahlungsunternehmen Klarna verlassen, was zum Teil auf schwedische Steuergesetze zurückzuführen war. Diese erschwerten es, große Aktienoptionen zu vergeben, da diese als Einkommen mit bis zu 67 Prozent versteuert wurden. Daraufhin hat Schweden in diesem Jahr seine Regeln geändert und die Besteuerung der Optionen als Einkommen bei Unternehmen eingestellt, die vor weniger als zehn Jahren gegründet wurden oder unterhalb bestimmter Mitarbeiter- und Einkommensschwellen liegen.

Um im globalen Wettbewerb um die besten Talente mit Standorten wie dem Silicon Valley zu bestehen, ist eine verbesserte Mitarbeiterbeteiligung ein wichtiger Hebel. Idealerweise sollten die Möglichkeiten und Regeln EU-weit harmonisiert werden, um nicht innerhalb Europas den Wettbewerb um die klügsten Köpfe weiter zu verschärfen. Wenn wir den Talent-Engpass nicht beseitigen, riskieren wir, die unglaubliche Dynamik zu vergeuden, die europäische Technologie-Szene in den vergangenen Jahren aufgebaut hat.

Im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung ist das Ziel festgeschrieben, neue Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung zu „prüfen“. Hoffen wir, dass es die Politik bei diesem entscheidenden Thema nicht bei einer „Prüfung“ belässt, sondern noch in diesem Jahr Taten folgen lässt.