Seit Jahren hat Meike Haagmans ihr Firmenkonto bei einer großen deutschen Bank, die damit wirbt besonders Start-up-freundlich zu sein. Doch die Realität sieht anders aus.

Montag ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne berichtet Meike Haagmans von dem alltäglichen Wahnsinn im Leben einer Gründerin. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, reist sie als Flugbegleiterin um die Welt, bloggt über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

„Für diese Geschäftsidee lohnt es sich noch nicht mal die Schublade aufzumachen“. Der Satz saß. Und damit auch die Entscheidung meines Bankberaters über den Kreditantrag für meine Gründung. Seit dem Gespräch sind inzwischen sieben Jahre vergangen. Und aus irgendeinem Grund habe ich mich – trotz der Wut über die Absage damals – entschieden unser Firmenkonto bei dieser großen deutschen Bank zu eröffnen.

Vielleicht war es die Faulheit, die mich hinderte nach Alternativen zu schauen, und die mir bestätigte, dass ich bei dieser Bank als Privatkunde doch immer gute Erfahrungen gemacht hatte. Schlussendlich war es aber vermutlich schlicht der Stress während der Gründung, der mich den einfachen Weg hat wählen lassen.

Eine Zahlungsverzögerung brachte den Stein ins Rollen

Und so habe ich es gelassen: sieben Jahre lang. Stillschweigend habe ich akzeptiert, dass die Kontoführungsgebühren erst eingeführt (trotz einer definierten Mindesteinlage) und dann jährlich erhöht wurden. Ich beantragte teure Firmenkreditkarten und eröffnetet teure Auslandswährungsunterkonten. Jeden einzelnen Fremdwährungsankauf musste ich telefonisch anweisen und für jede Vertragsänderung persönlich in einer Filiale unterschreiben. Aber nicht zwischen 13 und 14 Uhr, da macht diese Bank Mittagspause.

Soweit, so gut. Bis zum Ende des letzten Quartals. Auf Grund einer Zahlungsverzögerung befanden wir uns kurzfristig in einem Liquiditätsengpass. Vierstellig, nichts Wildes. Zunächst bin ich davon ausgegangen, dass wir einfach unseren Dispo nehmen könnten – aber diesen gab es gar nicht, denn wir hatten es tatsächlich geschafft, sieben Jahre ohne eine jegliche Überziehung unseres Kontos operieren zu können. Eigentlich die beste Referenz, die man haben konnte. Dachte ich.

Ein Dispo für Firmenkunden? Fehlanzeige!

Also suchte im Menü des Online Bankings den Button „Disporahmen einrichten/ändern“. Vergebens –  für Firmenkunden existiert dieser bei meiner Bank nicht. Nach telefonischer Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass man mein Anliegen nur bearbeiten könne, wenn die Bilanz aus dem Jahr 2017, neben der betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) aus Dezember 2018 und  2019, vorliegen würde.

Wieso verlangt eine Bank, die seit Gründung alle unsere Zahlen kennt, so viele Nachweise? Bei jedem unserer Schritte werden Daten gesammelt und gespeichert, aber uns eine vierstelligen Summe – weniger als zwei Prozent des Jahresumsatzes – kurzfristig zur Verfügung zustellen, scheint diese große deutsche Bank an ihre Grenzen zu bringen.

Ich spüre, wie mein Unverständnis wuchs und die Wut von vor sieben Jahren erneut hochkam. Nur mit Widerwillen schickte ich schlussendlich die Bilanz an meinen Kundenberater und konnte mir den Hinweis nicht verkneifen, dass Bilanzen von Kapitalgesellschaften durchaus öffentlich seien, und man sich diese hätte einfach ziehen können.

Laut Werbeslogan besonders Start-up freundlich

Aber das sollte noch nicht alles sein. Einige Tage später rief mich mein Kundenbetreuer erneut an. Es täte ihm leid, aber einen Dispo könne er nicht genehmigen. Der Grund dafür sei, dass die eingereichte Bilanz von 2017 auf die UG ausgestellt sei und nicht auf die GmbH.

Gut, dass er anrief. Und noch besser, dass ich ihm nicht persönlich gegenüber saß.  Ich sparte mir die Mühe ihn darauf hinzuweisen, dass wir vor knapp eineinhalb Jahren von einer UG zu einer GmbH umfirmiert worden sind. Stattdessen machte ich meine Schublade auf, holte meinen Laptop heraus und begann die Kündigung für unsere Firmenkonten zu schreiben. Seit einem Monat wickeln wir unsere Fremdwährungszahlungen nun über ein Fintech-Start-up ab. Auch ein weiteres Geschäftskonto wurde über eine junge Direktbank eingerichtet. Beides ging schnell und einfach.

Inzwischen kann ich auch schon wieder über die Werbung meiner alten Hausbank schmunzeln. Gerne bezeichnet sie sich darin selber als die deutsche „Start-up Bank“. Ab und an überkommt mich der Wunsch ihr zu sagen: wer eine Start-up Bank sein möchte, muss auch Start-up Produkte anbieten. Aber bis es soweit ist, wird es wohl noch etwas dauern. Wieso also einfach, wenn es auch kompliziert geht?