Im Nachhinein ein Fehler, denn unsere Begleitung schien einzig und allein unser Geschäftsmodell zu interessieren und er fing an, dieses komplett auseinander zu nehmen: Wieso lagert ihr den Verkauf nicht aus? Wieso druckt ihr die Reiseanmeldungen noch aus? Wieso so wenig Digitalisierung? Seine Kritikpunkte inklusive mitgelieferter Lösungsansätze schienen unendlich zu sein. Während ich zu Beginn noch versuchte, unsere Entscheidungen zu verteidigen, verkroch sich meine Mitarbeiterin hinter ihrem Smartphone und schaute gelegentlich mit rollenden Augen hervor.

Kein schönes Abendessen. Ich war es ziemlich schnell leid, ein Business zu verteidigen von dem  mein Gesprächspartner meinte es anhand eines 30 minütigen Talks analysieren zu können.  Und der Newsfeed meiner Kollegin auf ihrem Smartphone schien auch endlich zu sein. Wir signalisierten unserer Begleitung also sehr deutlich, dass wir den Rest des Abends alleine verbringen werden und verabschiedeten uns.

Kaum waren wir dann allein, fragte mich meine Kollegin: „Was war das denn? Erlebst du das öfter?“ Ja, ich erlebe es öfter, aber komischerweise sind es immer nur Männer, die mein Geschäftsmodell kaum oder gar nicht kennen und die ungefragt zu Hobbyanalysten mutieren.

Kompensation des eigenen Versagens?

Ich habe ein ähnliches Beispiel kürzlich bei einem Artikel über Outfittery erlebt. In einem Bericht über die Zahlen des Startup regnete es bei Facebook einen Shitstorm über die zwei Gründerinnen. Interessant finde ich, dass es zur gleichen Zeit ´zig andere Pressemitteilungen über „Geldverbrenner-Startups“ wie zum Beispiel Zalando, Movinga, Hello Fresh, etc., gab, bei denen bei weitem nicht so viel diskutiert wurde, wie bei diesem Business, welches von zwei Frauen geführt wird. „Das wird nix, Mädels“ ist noch einer der netteren Kommentare.

Ich, als Gründerin, bin auf konstruktive Kritik angewiesen und hole mir diese auch regelmäßig ein. Aber dafür frage ich Menschen, die mein Geschäftsmodell und mich über einen längeren Zeitraum kennen.  Was  bewegt Männer dazu, unwissend und absolut undurchdacht Kritik zu äußern?  Ist es die Kompensation des eigenen Versagens? Oder sind es doch schlussendlich doch die lautesten Prediger, die eigentlich sich selbst meinen?