Zwar sind die Investitionen in Start-ups in den letzten Jahren gestiegen, doch die Finanzierungslücke in der Wachstums- und Internationalisierungsphase ist bedenklich, moniert Niklas Veltkamp.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsführung beim Branchenverband Bitkom und dort für Start-ups zuständig.

Folgende Situation dürfte nicht wenigen Start-ups bekannt vorkommen: Die Geschäftsidee klingt gut, das Gründerteam steht, die  ersten Produkte sind dank eines Frühphasen-Investments bereits auf  dem Markt – jetzt geht es darum zu skalieren. Doch dazu braucht es vor allem auch das nötige Kapital. Und genau hier stehen viele Gründer in Deutschland nach wie vor vor großen Problemen. Denn obwohl sich in den letzten Jahren viel beim Thema VC getan hat, bleibt es neben der Suche und Rekrutierung von qualifiziertem Personal immer noch das wichtigste Thema für Start-ups, vor allem wenn es um sogenannte „Later-Stage“-Finanzierung geht.

Keine Finanzierungsangebote für Wachstumsunternehmen

In der Frühphase gibt es inzwischen neben zahlreichen kleineren Fonds und aktiven Business Angels eine ganze Reihe von Finanzierungsunterstützungen für Start-ups. Dazu gehören etwa die EXIST-Stipendien, der INVEST-Zuschuss oder der High-Tech Gründerfonds. Dagegen fehlen vor allem für Wachstumsunternehmen ausreichende Finanzierungsangebote. Obwohl die Investitionen in deutsche Start-ups in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind, bleibt eine große Finanzierungslücke in der Wachstums- und Internationalisierungsphase von jungen Unternehmen.

Vor allem im internationalen Vergleich sind in Deutschland acht- bis neunstellige Finanzierungsrunden weiter die Ausnahme. Während in den USA und Asien Finanzierungen in Höhe von mehr als 100 Millionen US-Dollar nichts Ungewöhnliches sind, gelingt den hiesigen Start-ups der Aufstieg zum Global Player – oder zum Unicorn – immer noch zu selten. Erfolgsgeschichten wie N26, Raisin und Wefox, die 2018 insgesamt mehr als 450 Millionen Euro eingesammelt haben, bilden dabei eine Ausnahme.

Folgen den Worten auch Taten?

Wie lässt sich das ändern? In dem wir Worten auch wirklich Taten folgen lassen, zum Beispiel denen im Koalitionsvertrag. Denn von den Vorhaben, die Start-ups finanziell unterstützen sollen, wurden ein Jahr später vor allem solche umgesetzt, bei denen es sich um die Fortführung von bestehenden Maßnahmen handelt. Das ist zu wenig. Aber dennoch gibt es Entwicklungen, die Mut machen. So wurde die im Koalitionsvertrag geplante Tech Growth Fund Initiative letzten Monat weiter ausgebaut.  Es handelt sich dabei um ein neues Kreditprogramm zur Fremdfinanzierung von jungen technologieorientierten Wachstumsunternehmen. Mit der Venture-Debt-Finanzierung will die KfW jährlich 50 Millionen Euro für gemeinsame Finanzierungen mit privaten Kreditgebern bereitstellen.

Dabei wurden viele sinnvolle Maßnahmen zur Stärkung der Wachstumsfinanzierung von Start-ups im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Die Einrichtung eines großen deutschen Digitalfonds als Dachfonds, nach dem Vorbild des dänischen Modells, wäre beispielsweise eine Möglichkeit, um es institutionellen Investoren zu erleichtern in schnell wachsende Start-ups zu investieren. Auch steuerliche Anreize würden dabei helfen, die Investition hoher Beträge in Start-ups attraktiver für Investoren zu machen.

Bedeutung des Start-up-Ökosystems für die Wirtschaft

Und wir dürfen Start-up-Politik nicht länger losgelöst von klassischer Wirtschafts- und Industriepolitik betrachten. Das Wachstum der hiesigen jungen Technologieunternehmen wird von zunehmend größerer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Im Februar hat das Bundeswirtschaftsministerium die Nationale Industrie-Strategie 2030 vorgestellt, in der es darum geht, wie Deutschland in den kommenden Jahren als Industrie-Standort gefördert und international wettbewerbsfähig bleiben kann. Was dabei leider zu kurz kam: Der Erfolg der deutschen Industrie ist eng mit der Innovations- und Start-up-Szene verknüpft. Deshalb sollte die Bedeutung dieses Ökosystems für den deutschen Industrie- und Wirtschaftsstandort auch in der Industrie-Strategie 2030 eine noch stärkere Beachtung finden – und darüber hinaus.

Auf der diesjährigen hub.berlin, dem internationalen Business-Festival des Bitkom, das vom 10. bis 11. April stattfindet, treffen sich Gründer, Investoren sowie Politiker, um unter anderem bei einem Werkstattgespräch über den deutschen VC-Markt zu diskutieren.