Meine Firma JOVENTOUR ist Mitten im Wandel: ich bin in ein effektives Accelorator Programm aufgenommen worden und es macht Spaß das Wachstum und die Veränderung von einer kleinen gebootstrapten UG zu einer GmbH mit mehreren Mitarbeitern und einem Beirat mitzuerleben. Und plötzlich fühle ich extrem mich gebremst – von etwas, was erst einige Zentimeter groß ist.

Angst vor dem Kontrollverlust

Obwohl ich die Thematik des Mutterschutzes aus Arbeitgebersicht gut kenne und selbst hier in einer Kolumne geschrieben habe, dass eine Schwangerschaft doch der kalkulierbarste Arbeitsausfall ist, der einem Arbeitgeber passieren kann , fällt es mir nun, da es um nicht persönlich geht, extrem schwer den Umstand zu akzeptieren. Ist es das Ungewisse oder die Angst vor Kontrollverlust?

Es dauert einige weitere Tage, bis ich mich wieder halbwegs gefangen habe und erste klare Gedanken fassen kann. Ich habe nun sieben Monate Zeit, um meine Abwesenheit von mindestens zwei Monaten zu planen und die Einsicht, dass es durchaus härtere und weniger langfristige Herausforderungen im Personalwesen eines Unternehmens geben kann, macht mir Mut. Außerdem: Vielleicht ist dies hier ja ein Chance für mich und mein Start-up die Arbeitsstrukturen autarker zu gestalten und wirkliches Empowerment anzuwenden.

Im ersten Schritt informiere ich meine Mitarbeiter und gemeinsam besprechen wir die Arbeitszeiten: bis zur Geburt reduziert das Verkaufsteam seine Wochenstunden und stockt diese in meinem Mutterschutz auf. Wir beginnen den Resturlaub zu verplanen, da in meiner Abwesenheit kein Urlaub genommen werden darf.

Ein längst überfälliger Frühjahrsputz

Nachdem die Arbeitszeiten geregelt sind, beginnt die eigentliche Aufgabe: das Aufzeichnen von Arbeitsprozessen. Das ist gar nicht leicht und ich merke, dass wir viel zu lange viel zu wenig dokumentiert haben. In den kommenden Monaten entsteht nun eine Art Intranet, in dem jeder Mitarbeiter jeden Arbeitsschritt nachlesen und ergänzen kann. Je mehr sich unsere Dokumentation füllt, um so leichter fällt es mir an meine Abwesenheit zu denken.

Sieben Jahren nach Gründung fühlt sich das, was gerade passiert, wie ein großer, längst überfälliger Frühjahrsputz an. Wir nehmen umsatzschwache Produkte aus dem Portfolio und fokussieren uns auf die rentablen. Wir erstellen Excel Tabellen für jedes einzelnen Produkt und verlinken den Einkauf und den Verkauf – manchmal bis das Programm streikt. Wir erstellen Checklisten und führen Routinen ein, wie diese zu lesen sind. Und wir sortieren: das Büro physisch und die Prozesse digital.

Das Baby wird flügge

Ich vermute, dass ich noch nie so viele Tutorials wie in den letzten Wochen geschrieben haben. Aber es tut gut – und es gibt mir die Möglichkeit mich nach so vielen Jahren der ständigen Anwesenheit aus dem operativen Teil herauszunehmen., zumindest für einige Wochen Es kommt mir so vor, als ob mein erstes Kind flügge wird. Alles ist jetzt planbar. Das mag ich.